Diskushaltung
Bätscher Marcel
Erstveröffentlichung 02.02.2002 www.diskus.ch.vu

Die Haltung von Diskusfischen:
Inhaltsverzeichnis
Fütterung
allgemeines zur Fütterung
Frostfutter selbst gemacht
Lebendfutter halten
Enchyträenkultur ansetzen
Erkrankungen
allgemeines zu Erkrankungen
Diagnose und Behandlung
Diskuskauf
ist eine Vertrauenssache! Sie sind keine Massenware! Ich möchte
empfehlen Diskusfische nur bei einem Züchter aus der näheren
Umgebung einzukaufen. Von einem Kauf in einem Zoogeschäft
möchte ich abraten, da der Diskus hier eine reine Ware
darstellt. Dazu kommt der völlig überzogene Verkaufspreis. Ein
Rottürkis mit 10cm Durchmesser z.B. wird für 20-25 DM
eingekauft und auf dem Schildchen am oftmals viel zu kleinen
Hälterungsbecken im Laden steht dann ein Preis von 70 - 100 DM.
Einen guten Züchter findet man meistens nur durch Mundpropaganda
oder einen Aquarienverein. Hat man einen Züchter gefunden,
sollte er öfter mal besucht werden. So kann man viel über den
Züchter, aber auch über den Diskus ganz allgemein erfahren, da
sich dort immer mehrere Pfleger von Diskusfischen aufhalten.
Diese geben meistens bereitwillig Ihre Erfahrungen weiter.
Bevor man nun zum Kauf schreitet gibt es noch einige Dinge zu
beachten:
1. Die Wasserwerte des Züchters in Erfahrung bringen und das eigene Aquarium langsam auf diese Werte einstellen. Wenn diese Werte stabil geworden sind, steht dem Kauf nichts mehr im Wege.
2. Wenn man sich dann für eine Farbvariante entschieden hat, sollte man sich die Tiere genaustens anschauen. Dies kann mitunter bis zu einer halben Stunde dauern.
3. Vorteilhaft ist es auch darauf zu warten bis die Fische Koten. Der Kot muss dunkel und fest sein. Also genug Zeit für den Kauf einplanen. Sind die Tiere gesund und fühlen sich wohl, zeigen sie Ihre Färbung.
4. Diskusfische müssen rund sein. Diese Körperform muss auch bei Jungfischen vorhanden sein. Längliche Diskusfische sind in ihrem Wachstum zurückgeblieben, da sie zu irgendeinem Zeitpunkt krank waren und die Nahrung verweigert haben.
5. Auch die Augen geben darauf einen Hinweis. Sind sie im Verhältnis zur Körperform zu groß, gilt auch hier: Hände weg.
6. Abgemagerte Fische zeigen den typischen Messerrücken. Diskusfische die einmal eine so eingefallene Stirn haben erholen sich nicht wieder und sind meistens Todeskandidaten. Hier gilt in jedem Fall: Hände weg.
7. Bewegt man seine Hand an den oberen Rand des Aquariums müssen die Fische in Erwartung auf Fütterung nach oben schwimmen. Bleibt hierbei das ausgesuchte Tier zurück oder wird von den anderen zurückgedrängt: Hände weg.
Auf dieser Seite könnt Ihr Euch einige Farbvarianten ansehen!
Diskusfische gehören zu den ruhigen Aquarienbewohnern. Selbst Streitigkeiten der Tiere untereinander werden meist ohne kraftaufwendige Schwimmaktionen durchgeführt. Wenn man die Fische im Aquarium so sieht, wird sich kaum jemand vorstellen können, mit welcher Geschwindigkeit sie sich zuweilen in ihren Heimatgewässern fortbewegen können und manchmal auch müssen.
Gesunde Diskusfische verhalten sich im Wasser, dass ihre Zustimmung findet, wie jeder andere ruhige Fisch. Sie stehen oder schwimmen gleichmäßig atmend und zeigen das für ihre Variante oder Zuchtform typische Farbmuster.
Oft heißt es, der Diskus sei ein Problemfisch, doch wenn die Fische fachgerecht gehältert werden treten keine Probleme auf. Kranke Diskusfische sind ein Produkt falscher und unachtsamer Pflege. Der Diskus ist viel zäher und langlebiger als die meisten Aquarienfische. Während ein Schmetterlingsbuntbarsch, oder andere Cichliden, innerhalb weniger Tage einer Krankheit erliegen können, vermag der Diskus viele Wochen mit schwersten Erkrankungen zu überleben. Dadurch wird dem Pfleger von Diskusfischen die Möglichkeit gegeben, auch bei nicht sofort erkannten Erkrankungen noch eingreifen und den Fisch retten zu können.
Trotzdem ist der Diskus nichts für Aquaristikneulinge! Ein fundiertes Wissen über die Wasserchemie sowie die Hälterungsbedingungen sind Grundvoraussetzungen für die erfolgreiche Pflege.
Für die Bedürfnisse unserer Diskusfische gelten drei elementare Voraussetzungen:
Oft ist das Unwohlsein der Fische eine Folge der beiden vorher genannten Voraussetzungen, denn wenn Wasser und/ oder Ernährung nicht optimal sind, stellen sich Krankheiten ein. Auch zu kleine Aquarien mit zuviel Besatz sind oftmals der Grund für solche Erkrankungen. Beengte und dadurch hygienisch nicht optimale Lebensräume leisten Krankheiten einen guten Nährboden. Wer Diskusfische halten will, sollte ein Aquarium ab 350 Liter Inhalt wählen. In einem solchen Becken kann man ohne weiteres 4-6 Diskusfische halten (Der Diskus ist ein Schwarmfisch!).
Die
Wasserqualität ist wie schon erwähnt ein entscheidendes
Kriterium.
Zuerst einmal geht es darum, ob man die Fische in einem
Pflanzenaquarium hältern oder in einem Diskusaquarium ohne
weitere Einrichtung züchten möchte. Ist ersteres der Fall sind
die Anforderungen an die einzelnen Wasserwerte sowohl auf die
Fische als auch auf die Pflanzen abzustellen.
Als optimale Hälterungsbedingungen für deutsche Nachzuchten in
Pflanzenaquarien werden folgende Werte angesehen:
Temperatur: 28°C - 30°C
pH-Wert: 6,2 - 7,0
Karbonathärte: 2 - 6
Gesamthärte: 8 - 12
Nitrat: kleiner 40mg/l
Unsere Diskusfische können natürlich auch mit anderen friedlichen Fischen vergesellschaftet werden. Doch sollte man nicht zu viele verschiedene Arten in einem Diskusbecken pflegen. Meiner Meinung nach ist es ohnehin schöner von einer Art einige Exemplare mehr, als ein Wust von verschiedenen Arten zu halten.
Viele Aquarianer möchten Skalare mit Ihren Diskusfischen in einem Gesellschaftsaquarium halten. Natürlich kommen Skalare auch im Heimatgebiet der Diskusfische vor und leben dort in den selben Flusssystemen, jedoch gelten in einem Aquarium andere Voraussetzungen.
1. Problem
Skalare sind sehr gierige Fresser. Da Diskusfische ruhige Fresser sind, die am liebsten herabschwendes und am Boden liegendes Futter aufnehmen, kommen Sie bei der Vergesellschaftung mit Skalaren zu kurz.
2. Problem
Die Übertragung von Krankheiten. Skalare beherbergen in ihrem Körper eine höhere Konzentration von Darmparasiten (Hexamita), als Diskusfische vertragen können. Waren die Diskusfische ursprünglich gesund, können sie von den im selben Becken lebenden Skalaren leicht infiziert werden. Auch die gefürchtete Lochkrankheit gehört zu den von Skalaren leicht zu übertragenen Krankheiten.
Aber natürlich gibt es auch viele Fische mit denen der Diskus keine Probleme hat. Der bekannteste ist wahrscheinlich der Neon (Paracheirodon innesi,P. axelrodi). Ein Schwarm von 30 bis 50 Stück ist wirklich beeindruckend. Friedliche Cichliden sind auch im Diskusbecken willkommen. Allerdings sollte man auch die Übereinstimmung der Hälterungsbedingungen achten (28°-30°C, leicht saurer pH-Wert, eher weiches Wasser). Wichtig sind auch Panzerwelse (Corydoras) in einem eingerichteten Aquarium, da sie ständig den Bodengrund nach Futterresten durchpflügen und somit einen wichtigen Teil zu der Hygiene im Aquarium beitragen. Ich selber halte meine Diskusfische zusammen mit bolivianischen Schmetterlingsbuntbarschen, 20-30 Rotkopfsalmler (stehen immer sehr eng beisammen), einer großen Putzkolonne von Panzerwelsen und einigen Ancistrus zur Algenbekämpfung.
Gesunde Diskusfische haben den ganzen Tag über Appetit und fressen auch in grenzen. Da eine gleichbleibend gute Wasserqualität notwendig ist, empfiehlt es sich, öfter und dafür in kleineren Einheiten zu füttern. Erwachsene Tiere sollten 3-4 mal pro Tag gefüttert werden. Da mein Aquarium morgens noch dunkel ist fange ich erst in meiner Mittagspause an zu füttern und gebe meinen Fischen ca. 2-3 Portionen am Tag. Heranwachsende Jungfische zeigen einen überaus großen Appetit und können bis zu 10 mal am Tag gefüttert werden. (Wer hat soviel Zeit?). Jedoch sollte man gerade bei den heranwachsenden Diskussen darauf achten, dass sie soviel Futter bekommen wie es die Zeit des Halters nur erlaubt. Bei zu geringer Fütterung treten schnell Wuchsströrungen auf, die nicht mehr reparabel, aber auch nicht vererbbar sind.
Gefrierfutter
In Apotheken bekommt man wasserlösliche
Vitaminmischungen, die gut für den Diskus geeignet sind.
Menge in |
Zutat |
| 1500 | rohes Rinderherz |
| 500 | rohe Rinderleber |
| 250 | rohe frische Shrimps |
| 125 | gekochten Hafermehlbrei |
| 50 | rohe Weizenkeime |
| 5 | Vitamin-Mineralpulver |
Das Fett und die Sehnen müssen sehr gründlich aus dem Herz und der Leber entfernt werden. Die Shrimps werden geschält und zusammen mit dem Hafermehlbrei, dem Herz und der Leber in einer Mulinette zerkleinert. Die Keimlinge und die Vitamine werden danach untergemischt. Der Brei wird in Gefrierbeutel gefüllt, glattgestrichen und eingefroren.
Artemia
halten
Die Artemiaeier sind in jedem Zoogeschäft erhältlich.
Wie man Sie zum ausschlüpfen bekommt steht auf den Verpackungen.
Nach dem Ausschlüpfen sollten die kleinen Krebschen in ein
größeres Aquarium mit einer etwas stärkeren Salzkonzentration
überführt werden. Die Salzkonzentration sollte mit einem
Hydrometer gemessen zwischen 1.025 und 1.035 liegen. In dieses
Salzwasser wird ein Auströmerstein gelegt. Man kann so das ganze
Jahr lebende Artemia-Krebschen Füttern. Wird das
Aufzuchtaquarium auf eine Fensterbank gestellt entfällt sogar
die künstliche Beleuchtung. Die Wasserhöhe in dem
Aufzuchtaquarium sollte 25cm nicht übersteigen und die
Temperatur zwischen 25 und 30°C gehalten werden. Gefüttert
werden die Krebschen mit Bäckerhefe. Die Fütterung muß
vorsichtig vorgenommen werden, da eine Überfütterung die
Wasserqualität so beeinträchtigt, daß die ganze Zucht
gefährdet wird. Immer nur soviel Hefe auf die Wasseroberfläche
streuen, daß keine Trübung des Wassers eintritt.
Enchyträen
Enchyträen sind ein ausgezeichnetes Lebendfutter.
Jahrelang war zu lesen, dass die häufige Fütterung mit
Enchyträen dazu führen würde, dass innere Organe, wie z.b. die
Leber, der Fische verfetten würden und es zu Krankheiten kommen
könnte. Auch Sterilität wurde der Enchyträenfütterung
nachgesagt. Befragungen verschiedener Züchter, die große Mengen
an Enchyträen an ihre Fische verfüttern, bestätigten diese
Vorurteile nicht. Weder Krankheiten noch Nachwuchsschwierigkeiten
traten hier trotz starker Enchyträenfütterung auf. Junge Diskus
färben schön aus und wachsen sehr gut.
Enchyträen können in geschlossenen Kisten oder Styroporboxen
kultiviert werden. Die ideale Größe scheint hierbei eine
Grundfläche von 30x30cm mit einer Höhe von 15cm. Saubere,
feinkörnige Erde wird bis zu einer Höhe von ca. 8cm eingefüllt
und befeuchtet. Die Erde sollte immer feucht sein, aber nicht
triefend naß! Die ideale Temperatur scheint 15°C zu sein. Auch
ein diffuses Halbdunkel wirkt vorteilhaft, so daß sich
Kellerräume als Standort für die Zuchtkiste sehr gut zu eignen
scheinen. Die Enchyträen können mit Mehl- oder Haferflockenbrei
sowie mit Spinat gefüttert werden.
Nun ja, der Diskus hat den Ruf eines Problemfisches, der aber noch aus den siebziger Jahren herrührt. Wahrscheinlich ist das in den letzten Jahren besser geworden, weil die Hälterungsbedingungen und die Medikamente sich verbessert haben, die meisten Züchter kaum noch Wildfangimporte abgeben und diejenigen, die sich für den Diskus entscheiden sich besser informieren. Man kann sagen, daß der überwiegende Teil, der in Zoogeschäften und bei Züchtern zu erwerbenden Diskusse mit Spironucleus (besser bekannt als Hexamita) infiziert sind. Aus gutem Grund wird deshalb empfohlen jedes neu gekaufte Tier einer Quarantäne zu unterziehen, bevor es mit dem Altbestand zusammen kommt. Bei der Größe des Quarantänebeckens darf man nicht zu sparsam sein, da sich die Tiere bei schweren Erkrankungen manchmal 6 Wochen und länger darin aufhalten müssen. Trotzdem, falls sich mal ein Fisch sichtlich nicht wohl fühlt, nicht sofort zu Medikamenten greifen. Oftmals reicht schon ein Teilwasserwechsel aus und die Diskusfische stehen wieder prachtvoll gefärbt im Aquarium.
| Symptom | Ursache | Behandlung |
| Hervorquellende Augen Glotzauge |
bakterielle Infektion, meist
auch Wasserverschlechterung |
Sofort Teiwasserwechsel 1
Tablette Cotrim forte auf 100 Liter Wasser, nach 4 Tagen Teilwasserwechsel Tritt am 2 Tag keine Besserung ein, mit 1/2 Dosis nachdosieren |
| Fadenartigen, weißlichen Kot Freßunlust Dunkle Färbung |
Darm Parasiten, Spironucleus-Infektion häufige Infektion |
Umsetzen in
Quarantänebecken!1.Beckenwasser auf 33-35°C erhöhen,
wenn nach 5 Tagen keine Besserung auftritt: 2.Spezialmittel im Handel: Hexa-Ex nach Vorschrift dosieren! Wenn wiederum nach 5 Tagen keine Besserung eintritt sind resistente Stämme vorhanden-letzte alternative: 3.Metronidazol verwenden - Verschreibungspflichtiges Antibiotikum (Tierarzt) 10g Gläschen Metronidazol BP80 Pulver Dosierung: 4mg pro Liter bzw. 1g auf 250 Liter Wasser - vom Apotheker abwiegen lassen; 3 Tage behandeln |
| Würgen, schwere Atmung, einen Kiemendeckel angelegt, nervöses umherschießen im Becken | Kiemenwürmer | Temperatur 28°C, Masoten von Bayer (organischer Phosphorsäureester, hochgiftig!) Rezept nach Schubert: 40mg pro 100 Liter, Kies und Dekoration vom Becken- volumen abziehen! Täglich 1/4 des Wassers erneuern und Nachdosieren. Behandlung nach 4 Tagen beenden. |
Masoten (Bayer)
Masoten ist ein organischer Phosphorsäureester, der als Medikament gegen Kiemenwürmer für die Nutzfischhaltung in Teichen entwickelt wurde und ist daher leider nur in größeren Einheiten lieferbar. Es ist rezeptpflichtig und hochgiftig. Masoten sollte nur mit äußerster Vorsicht und tierärztlicher Dosierangabe Verwendung finden. Man bekommt nur 500g Packungen, die für 1.250.000 Liter Wasser reichen würden. Nach dem Rezept von Schubert benötigt man zu Behandlung jedoch nur 0,4mg/l. Also ist wieder einmal der Apotheker gefragt. Den Wasserinhalt des Aquariums bis auf 10% genau berechnen (Kies und sonstige Gegenstände abziehen!) und auf zur nächsten Apotheke. Dort lässt man sich die abgewogene Menge in ein gläsernes Röhrchen (z.b. Tablettenröhrchen) füllen und markiert die Füllhöhe.Metronidazol
Metronidazol ist als reine Substanz in jeder Apotheke erhältlich. Allerdings handelt es sich auch hierbei um ein verschreibungspflichtiges Medikament (Tierarzt). In der Apotheke bekommt man ein 10-g-Gläschen mit Metronidazol BP 80 in Pulverform. Das gelbliche Pulver läßt sich gut in Wasser lösen. Aber auch hier die Dosieranweisung nach Schubert: 4mg pro Liter Aquarienwasser. Also gleich in der Apotheke abwiegen lassen!