Aphyosemion australe
(RACHOW, 1921)
AUS

Bätscher Marcel

Erstveröffentlichung 02.02.2002 www.diskus.ch.vu

xanthoristische (goldfarbene) Form von A. australe

wissenschaftliche Bez. Aphyosemion australe (RACHOW, 1921) AUS
deutscher Name Kap Lopez
in der Literatur oft noch "Bunter Prachtkärpfling", was heute zu allgemein ist
Erstbeschreibung

Bibl. Aquar. Terr. kde, Heft 16: 26-27, 192 1

Synonyme

Haplochilus cameronensis (non BOULENGER, 1903) in ARNOLD, 1913
Haplochilus spec. aus Cap Lopez ARNOLD, 1913
Haplochilus calliurus var. australis RACHOW, 1921
Haplochilus calliurus var. A
Panchax polychromus AHL, 1924
Aphyosemion australe var. hjerresensii MEINKEN, 1953

Länge

Männchen bis etwa 6 cm Gesamtlänge, Weibchen etwas kleiner

max. Alter Aquarium bis zu 3 Jahre
Natur ca. 1 - 2 Jahre
Flossenformel

D 9-11, A 14-16, L. 1. 29-32, D/A = 1/17,
Karyotyp: n = 15 - n = 17

Vorkommen

von Nordgabun bis in die südliche Volksrepublik Kongo

„.... seine Heimat liegt faktisch südlich von der typischen Form" (= Aphyosemion calliurum)

Nach ARNOLD (1913) wurden die Typen bei Kap Lopez gefangen, dem heutigen Port Gentil, nordwestliches Gabun

Geschlechtsunterschied

Männchen bis etwa 6 cm Gesamtlänge, mit ausgezogenen Rücken- und Afterflossen
Weibchen etwas kleiner und etwas blasser

Ansprüche Becken ab 10 l Inhalt
Wasserwerte

Die Wasserwerte haben nur bei der Zucht größere Bedeutung

Die günstigsten Temperaturen für Haltung und Zucht von Aphyosemion australe liegen zwischen 20 und 25°C

Hier sollte die Karbonathärte nicht so hoch sein, etwa um 50 KH dürften die Grenze sein

Ersteinführung

Das Jahr der Ersteinführung ist nicht ganz eindeutig. Nach RACHOW (1921) wurde die Art 1912 erstmals importiert, nach anderen Angaben 1913. Am wahrscheinlichsten erscheint die Angabe von KUHNT, nach der die Art im Juli 1913 importiert wurde. Die Angabe mehrerer Autoren, dass ein Herr WOLLMER (auch WOLMER) die Art importiert habe, ist unzutreffend. Nach ARNOLD (1913) wurden die Fische vielmehr von einem nicht genannten Seemann importiert und in Hamburg von WOLLMER aufgekauft.

Literatur

Seegers & Wildekamp Enzyclopädie der Killifische / australe.pdf

 

Artbeschreibung

 

Aphyosemion australe (RACHOW, 1921) AUS

Seegers & Wildekamp

Enzyclopädie der Killifische

Aphyosemion australe (RACHOW, 1921) AUS

 

 

Synonyme

Haplochilus cameronensis (non BOULENGER, 1903) in ARNOLD, 1913

Haplochilus spec. aus Cap Lopez ARNOLD, 1913

Haplochilus calliurus var. australis RACHOW, 1921

Haplochilus calliurus var. A

Panchax polychromus AHL, 1924

Aphyosemion australe var. hjerresensii MEINKEN, 1953

 

Sprechweise

A-phy-o-se-mi-on aus -tra-le

 

 

Bedeutung des wissenschaftlichen Namens

Aphyosemion Aphye (griech.) Sardelle, kleiner Fisch
semion (griech.) Fähnchen, Wimpel, bezieht sich auf die ausgezogene und bunte Rückenflosse.
australe (lat.) = südlich

 

 

Aquaristischer Name

deutsch: Kap Lopez

in der Literatur oft noch "Bunter Prachtkärpfling", was heute zu allgemein ist.

 

Erstbeschreibung

Bibl. Aquar. Terr. kde, Heft 16: 26-27, 192 1.

 

 

Terra typica

„.... seine Heimat liegt faktisch südlich von der typischen Form" (= Aphyosemion calliurum).

Nach ARNOLD (1913) wurden die Typen bei Kap Lopez gefangen, dem heutigen Port Gentil, nordwestliches Gabun.

 

 

Meristische Angeben

D 9-11, A 14-16, L. 1. 29-32, D/A = 1/17,

Karyotyp: n = 15 - n = 17

 

Typenmaterial

Typenmaterial wurde nach bisheriger Kenntnis nicht hinterlegt.

 

Grösse

Männchen bis etwa 6 cm Gesamtlänge, Weibchen etwas kleiner.

 

Systematisches

Einteilung nach ROSEN, 1964:

Familie Cyprinodontidae GÜNTHER, 1866
Unterfamilie Rivulinae HOEDEMAN, 1961
Gattung Aphyosemion MYERS, 1924
Untergattung Mesoaphyosemion RADDA, 1977
Art Aphyosemion (Mesoaphyosemion) australe RACHOW, 1921

 

Einteilung nach PARENTI, 1981:

Familie Aplocheilidae BLEEKER, 1860
Unterfamilie Nothobranchiinae RADDA, 1981
Gattung Aphyosemion MYERS, 1924
Untergattung Mesoaphyosemion RADDA, 1977
Art Aphyosemion (Mesoaphyosemion) australe RACHOW, 1921

Aphyosemion australe ist in die A. calliurum-Gruppe einzuordnen, in die auch A. ahli, A. heinemanni sowie A. pascheni, A. celiae und A. franzwerneri gehören, vermutlich auch A. herzogil, A. bochtleri. Es ist dabei nicht immer ganz eindeutig, ob die nominellen Arten wirklich eigenständig sind oder jeweils nur Populationen / Unterarten bereits früher beschriebener Taxa. Die Variationsbreite beispielsweise von A. calliurum ist ausserordentlich gross, wie bereits SCHEEL (1974) nachweisen konnte. Aphyosemion australe hjerresensii MEINKEN, 1953 (nicht A. hjerreseni oder ähnliche Schreibweisen) ist ein nomen nudum, ein ungültiger Name, denn er bezeichnet eine in Gefangenschaft aufgetretene Mutante, die xanthoristische (goldfarbene) Form von A. australe, und derartige Zuchtformen werden nicht mit eigenen Namen belegt. 1956 änderte MEINKEN den Namen in A. australe hjerresenii ab, auch dies ist ungültig.

 

 

Ersteinführung

Das Jahr der Ersteinführung ist nicht ganz eindeutig. Nach RACHOW (1921) wurde die Art 1912 erstmals importiert, nach anderen Angaben 1913. Am wahrscheinlichsten erscheint die Angabe von KUHNT, nach der die Art im Juli 1913 importiert wurde. Die Angabe mehrerer Autoren, dass ein Herr WOLLMER (auch WOLMER) die Art importiert habe, ist unzutreffend. Nach ARNOLD (1913) wurden die Fische vielmehr von einem nicht genannten Seemann importiert und in Hamburg von WOLLMER aufgekauft.

 

Verbreitung

A. australe ist nach HUBER (1982) von Nordgabun bis in die südliche Volksrepublik Kongo verbreitet, möglicherweise stellt die Mündung des Zaire die südliche Verbreitungsgrenze dar. Dabei ist die Art jedoch auf den unmittelbaren Küsteneinzug beschränkt und geht nicht weiter als bis etwa 20 km ins Inland. Sie bewohnt die Küstensümpfe und Bachunterläufe dieses Bereiches, bevorzugt jedoch stärker stehende als fließende Gewässer.

 

Beschreibung

Die Art ist je nach Fundort sehr unterschiedlich gefärbt. Während die typische Aquarienform unregelmäßig verteilte Flecken aufweist, zeigt die Form von Kap Esterias mehr unregelmäßige Linien, die von Mayumba in Südgabun senkrechte Flecken oder Streifen auf dem Hinterkörper und ist insgesamt heller. Die nachfolgende Beschreibung bezieht sich auf den Aquarienstamm.

 

Beschreibung des Männchens

Die Männchen haben je nach Stimmung eine hellbraune bis fast schwarze Grundfärbung. Die Seiten glänzen im Auflicht metallisch blau. Der Körper ist an der Seite mit roten Punkten übersäht, die am Kopf zusammenfließen können und zum Schwanz hin in der Menge abnehmen. Rücken- und Schwanzflosse sind rot getüpfelt, innen mit einem roten und aussen mit einem orangen Band, das besonders in der Schwanzflosse in weisse Spitzen ausläuft. Die Afterflosse ist an der Basis gelblich, mit einem inneren roten und einem äusseren hellen, oft weissen Band. Brust- und Bauchflossen sind gelblich, orange oder rötlich gesäumt. After-, Rücken- und Schwanzflosse sind bei schönen Männchen stark ausgezogen. Bei dunkel gehaltenen Männchen sind oft fast nur noch schwarze und weiße Farben erkennbar. Von Aphyosemion australe ist eine xanthoristische Form verbreitet, der Gold-Kap Lopez. Ihm fehlen die dunklen Farbtöne, nur Orange, Rot und Weiß bleiben. Die systematische Stellung dieser Form wurde bereits oben diskutiert.

 

     

 

   

 

 

Beschreibung des Weibchens

Die Weibchen der Normalform haben eine relativ dunkle Grundfärbung mit leichter Punktierung auf Körper und Flossen. Alte Weibchen nehmen zuweilen etwas die Männchenfärbung an (weiße Flossenspitzen, bunte Körperseiten), was jedoch nicht unbedingt die Zuchtfähigkeit einschränken muss. Die Grundfärbung der xanthoristischen Form ist heller und meist sehr schön goldfarben. Bei der Normalform haben beide Geschlechter stark grünlich schimmernde Augen.

 

Haltung und Zucht

Die günstigsten Temperaturen für Haltung und Zucht von Aphyosemion australe liegen zwischen 20 und 25° C, die Wasserwerte haben nur bei der Zucht größere Bedeutung.

Hier sollte die Karbonathärte nicht so hoch sein, etwa um 50 KH dürften die Grenze sein.

In normalen Fällen reicht oft eine Torffilterung aus um den Kalkgehalt zu senken.

Aphyosemion australe lässt sich gut mit Fischen ähnlicher Größe vergesellschaften, sofern sie die Flossen der Männchen in Ruhe lassen. Die Männchen imponieren gerne untereinander, sind aber wenig aggressiv. Beschädigungen gibt es normalerweise nur bei Hälterung auf zu engem Raum.

Die Tiere fressen fast alles, auch Flockenfutter und anderes Kunstfutter, aber wer Zuchtabsichten hat, der sollte abwechslungsreiches Lebendfutter geben, wobei nicht zuviel Wurmfutter enthalten sein sollte, obgleich die Tiere es gerne fressen - sie erkranken sonst leicht oder werden fett und träge. Optimal sind, wie bei den meisten Killis, schwarze und weiße Mückenlarven in Abwechslung mit ballaststoffreichen Futtersorten wie Wasserflöhen oder Hüpferlingen. Rote Mückenlarven sind im Prinzip auch geeignet, doch sind die im Handel erhältlichen meist aus undefinierbaren und stark belasteten Gewässern mit oft hohen Schadstoffrückständen, so dass sie nicht ohne Bedenken verfüttert werden sollten.

Wer mit wenig Nachzuchttieren auskommt, kann seine A. australe im Gesellschaftsbecken nachzüchten. In eine Ecke wird ein Büschel Fasertorf oder Perlongespinst gelegt, und hin und wieder werden die Eier daraus abgesammelt. Für ergiebigere Zuchten werden die Tiere entweder paarweise in einem kleinen Becken (2-5 l) im Kurzansatz angesetzt, oder in einem etwas größeren Becken mit einigen zusätzlichen Weibchen im Daueransatz. Als Ablaichsubstrat bieten sich Flocken- oder Fasertorf an, daneben aber auch Javamoos, Fadenalgen, Perlongespinst oder der bekannte Wollmop. Wenn man die Eier absammelt, muss man beachten, dass sie unmittelbar nach dem Ablaichen noch weich sind, und dass sie, wenn die Entwicklung fortgeschritten ist, auch wieder druckempfindlicher werden können.

Bewahrt man die abgesammelten Eier im Wasser auf, dann schlüpfen oftmals die meisten Jungfische mit einem großen Dottersack und können noch nicht schwimmen. Viele Züchter legen die Eier deshalb lieber trocken, das heißt, die Eier werden etwa drei bis vier Wochen in feuchtem Torf aufbewahrt. Das hat den Vorteil, dass die Jungtiere gleichmäßiger schlüpfen. Die Eientwicklung dauert im Wasser etwa zwei Wochen.

Die Jungtiere fressen sofort, bzw. wenn der Dottersack aufgebraucht ist, frischgeschlüpfte Nauplien von Artemia salina. Die Aufzucht ist nicht problematisch und die Jungtiere wachsen relativ schnell. Für die nächste Generation wähle man nicht die ersten Tiere aus, die zuchtreif werden, denn gerade bei dieser Art sind oft schlechte Tiere zu sehen, so dass eine sorgfältige Auswahl der Zuchttiere dringend notwendig ist. Man füttere vielmehr am besten eine größere Anzahl von Jungfischen zu „Prachtkärpflingen" heran, um daraus die einwandfreien Exemplare für die Weiterzucht auszuwählen. Bei zweieinhalb Zentimeter langen Anfärblingen ist das Aussortieren sonst ein Glücksspiel.

 

Besonderes

Der in unseren Aquarien gepflegte Stamm von Aphyosemion australe hat beide Weltkriege überdauert und ist nun etwa 70 Jahre in Gefangenschaft. Erst in jüngster Zeit kamen wieder Wildfänge dieser Art nach Europa. Der „alte" Kap Lopez hat sich im Vergleich dazu ganz gut in unseren Aquarien gehalten.

 

Erscheinungsdatum

Juli 1984

Autor

Hubert Wischmann

Bearbeitung

Lothar Seegers

Foto

Erhard Roloff

DKG-Dia

Eduard Pürzl

Foto

Erhard Roloff

 

Literatur

Ahl, E. (1924) Über neue afrikanische Zahnkarpfen der Gattung Panchax
Zool. Anz., 60: 303-313
Arnold, J. P. (19 13) Neuheiten-Ecke
Wochenschr. Aquar. Terr. Kde, 10 (39): 701-704
Huber, J. H. (1982) A Review of the Cyprinodont Fauna of the Coastal Plain in Rio Muni, Gabon, Congo, Cabinda and Zaire, with taxonomic Shifts in Aphyosemion, Epiplatys and West African Procatopodins.
BKA-Publication, pp. 1-46.
Kuhnt, M. (1923) Exotische Zierfische Illustriertes Handbuch für Aquarianer
Berlin-Rahnsdorf
Meinken. H. (1953)

Bericht des "Roßmäßler"-Bremen, Gesellschaft f. Vivarienkunde e.V. von 1909, Bremen.
DATZ, Aus dem Verbands- und Vereinsleben, 6 (12):123

— 1956 Aphyosemion australe australe und Aphyosemion australe hjerresenii
In: Holly, M., H. Meinken und A. Rachow: Die Aquarienfische in Wort und Bild
Liefg.
101/102, Blätter 1029/30 und 1031/32,18 Ab, 14 a
Rachow, A. (1921) Die Zahnkarpfen, 11. Teil: Die Gattung Haplochilus
Bibl. Aqu, Terr. Kde, Heft 16
Scheel, J. J. (1968) Rivulins of the Old World
T.F.H.-Publications, Jersey City, N. J., U.S.A