Aphyosemion
gardneri
(Boulenger, 1911)
Bätscher Marcel
Erstveröffentlichung 02.02.2002 www.diskus.ch.vu

| wissenschaftliche Bez. | Aphyosemion gardneri (Boulenger, 1911) |
| deutscher Name | stahlblauer Prachtkärpfling |
| Erstbeschreibung |
BOULENGER beschrieb die Art 1911 als Fundulus gardneri |
| Synonyme |
Fundulus gardneri |
| Länge |
Männchen bis etwa
7 cm Gesamtlänge, Weibchen etwas kleiner |
| max. Alter | Aquarium
bis zu 3 Jahre Natur ca. 1 - 2 Jahre |
| Flossenformel |
Bei den Tieren der Erstbeschreibung wurden BOULENGER 32 Schuppen in der mittleren Längsreihe angegeben. |
| Vorkommen |
Die Tiere der Erstbeschreibung stammen aus Okwoga, am Hauptlauf des Cross River in Ost-Nigeria. Später wurden auch in "vielen" anderen Gebieten Stämme gefunden. Diese Stämme weichen im Aussehen und im Verhalten zum Teil stark von der Nominatform ab. Welche Stämme wirklich zu dieser Gattung gehören und welche nicht, kann vermutlich nur mit Gen-Analysen herausgefunden werden.
|
| Geschlechtsunterschied |
Männchen bis etwa
6-7 cm Gesamtlänge, mit ausgezogenen Rücken- und Afterflossen |
| Ansprüche | Becken ab 10 l Inhalt |
| Wasserwerte |
Obgleich diese
Fische in der Natur in weichem und schwach sauren Wasser leben, genügt
im Aquarium Leitungswasser sofern der pH-Wert neutral ist und die Gesamthärte
nicht über 20 dGH liegt. Auch ein monatlicher Teilwasserwechsel von 25
bis 30 Prozent, ist sehr sinnvoll. |
| Ersteinführung |
1913 und 1914 wurde die Art unter der Bezeichnung Haplochilus calliurus australis erstmalig nach Deutschland importiert. |
| Literatur |
Wolfgang Chr. Schrey (DKG 11) DKG-Journal 3 (4): 40-45 (1971) Auch für Normalaquarianer
geeignet - Der stahlblaue Prachtkärpfling |
Artbeschreibung
Aphyosemion gardneri
Bätscher Marcel
Erstveröffentlichung 02.02.2002 www.diskus.ch.vu

Foto © Wiljo Jonsson
Beschreibung
Die Art zeichnet sich durch eine ausgesprochen hohe Variationsbreite aus und ist je nach Fundort sehr unterschiedlich gezeichnet. Zum Teil stellt sich die Frage der korrekten Zuordnung der sogenannten "Unterarten". Die Variationsbreite wird anhand der Fotos in diesem Bericht deutlich aufgezeigt. Bei sämtlichen Fotos handelt es sich um Fische, bei denen die Besitzer der Ansicht sind, dass es sich um A. gardneri handle. Ob dem wirklich so ist, sei dahingestellt.

beschriebene Unterarten
Aphyosemion gardneri gardneri
Aphyosemion gardneri gardneri "Baissa"
Aphyosemion gardneri lacustre
Aphyosemion gardneri lacustre "Lake Ejagham"
Aphyosemion gardneri mamfense
Aphyosemion gardneri
mamfense "Bachou-Akagbe"
Aphyosemion gardneri
mamfense "Besongabang"
Aphyosemion gardneri
mamfense "Eyomojok"
Aphyosemion gardneri
mamfense "Nachemba"
Aphyosemion gardneri
mamfense "Ossing"
Aphyosemion gardneri nigerianum
Aphyosemion gardneri
nigerianum "Akuré "
Aphyosemion gardneri
nigerianum "Esa-Oke"
Aphyosemion gardneri
nigerianum "Fornikum"
Aphyosemion gardneri
nigerianum "Idanre"
Aphyosemion gardneri
nigerianum "Igbaja"
Aphyosemion gardneri
nigerianum "Igbetti"
Aphyosemion gardneri
nigerianum "Ijebu-odé"
Aphyosemion gardneri
nigerianum "Ikinrin"
Aphyosemion gardneri
nigerianum "Ilesha"
Aphyosemion gardneri
nigerianum "Ndeji"
Aphyosemion gardneri
nigerianum "Ondo"
Aphyosemion gardneri
nigerianum "Owo"

Die Unterart A. gardneri nigerianum wird von Huber als A. gardneri clauseni bezeichnet!

Synonyme
Fundulus
gardneri
Aphyosemion gardneri
clauseni
Aphyosemion gardneri
obuduense
Sprechweise
A-phy-o-se-mi-on ga-rdneri
Bedeutung des wissenschaftlichen Namens
| Aphyosemion | Aphye (griech.) Sardelle, kleiner Fisch |
| semion (griech.) | Fähnchen, Wimpel, bezieht sich auf die ausgezogene und bunte Rückenflosse |
| gardneri | lat. Artname mit dem der Fänger des Fisches, Captain R. D. Gardner geehrt wird |
Aquaristischer Name
deutsch: stahlblauer Prachtkärpfling
wissenschaftlich: Aphyosemion gardneri
Erstbeschreibung
Aphyosemion gardneri gardneri aus Südost-Nigeria und Westkamerun wurde 1911 von dem englischen Zoologen Boulenger beschrieben. Mit dem lateinischen Artnamen gardneri sollte der Fänger des Fisches, Captain R. D. Gardner geehrt werden.
Ersteinführung
1913 und 1914 wurde die Art unter der Bezeichnung Haplochilus calliurus australis erstmalig nach Deutschland importiert.
Terra typica
Die Tiere der Erstbeschreibung stammen aus Okwoga, am Hauptlauf des Cross River in Ost-Nigeria. Später wurden auch in anderen Gebieten Stämme gefunden. Diese Stämme weichen im Aussehen zum Teil ein wenig von der Nominatform ab. Welche Stämme wirklich zu dieser Gattung gehören und welche nicht, kann vermutlich nur mit entsprechenden Gen-Analysen herausgefunden werden.

Verbreitung
A. gardneri ist mit einer unglaublichen Variationsbreite über weite Teile Afrikas verbreitet. Die Art bewohnt die Küstensümpfe und Bachunterläufe, bevorzugt jedoch stärker stehende als fließende Gewässer.
Metrische Angeben
Bei Gardneri werden von BOULENGER 32 Schuppen in der mittleren Längsreihe angegeben.

Typenmaterial
Typenmaterial wurde nach bisheriger Kenntnis nicht hinterlegt.

Grösse
Männchen bis etwa 6 - 7 cm Gesamtlänge, Weibchen etwas kleiner. Dies kann jedoch nicht generell für alle A. gardneri gelten. Die Variationsbreite ist auch in dieser Hinsicht recht hoch, so dass einige Arten deutlich kleiner bleiben und einige Arten bis zu 12 cm gross werden können.
Beschreibung des Männchens
Die Männchen haben je nach Stimmung eine stahlblaue bis fast schwarze Grundfärbung. Die Seiten glänzen im Auflicht metallisch blau. Der Körper ist an der Seite mit roten Punkten übersäht. Rücken- und Schwanzflosse sind rot getüpfelt, mit einem gelb bis orangen Band das besonders in der Schwanzflosse in leuchtende Spitzen ausläuft. After-, Rücken- und Schwanzflosse sind bei schönen Männchen stark ausgezogen.

Beschreibung des Weibchens
Die Weibchen haben eine relativ dunkle Grundfärbung mit roter Punktierung auf Körper und Flossen. Meine Weibchen haben zum Teil eine rote Färbung auf dem Rücken die sich zum Teil auf beide Seiten zieht.

Haltung und Zucht

Ein Paar von Aphyosemion gardneri nigerianum “Makurdi".
Die Fische sind “halbannuell". Das bedeutet für uns Aquarianer, dass wir sie sowohl in Pflanzen als auch in Torf ablaichen lassen können. Haben wir im Gesellschaftsaquarium in Nähe der Wasseroberfläche ein dichtes Gestrüpp feingefiederter Pflanzen, so kann es durchaus sein, dass hier Nachwuchs heranwächst. Anderenfalls setzt man ein Männchen mit zwei gutgenährten Weibchen in ein Zehnliter-Aquarium mit weichem bis mittelhartem Wasser und dichtgepackten Ranken von Hornkraut, Zwergwasserschlauch oder Javamoos. Die Fische laichen normalerweise in den Pflanzen ab. Nach einer Woche entfernt man die Eltern aus diesem Aquarium und spätestens nach drei Wochen schwimmen die Jungfische. Sie können sofort mit Artemianauplien oder feingesiebtem Tümpelfutter ernährt werden. Mit zunehmender Körperlänge erhöht man dann die Futtergröße.

Eine weitere Nachzuchtmethode ist das Ablaichen in Torf. Hierzu wird das kleine Aquarium mit grobblättrigen Wasserpflanzen wie Pfennigkraut, Hygrophila oder ähnlichem gefüllt, damit die Fische kein feingefiedertes Ablaichsubstrat vorfinden. Auf den Boden des Aquariums stellt man dann eine Schale mit ausgekochtem Filtertorf. Eine Woche lässt man den Elterntieren Zeit, ihre Eier in dem Torf abzulegen, um dann den Torf aus der Schale herauszunehmen und auszudrücken, bis er “tabakfeucht" ist. Dieser Torf wird in einer verschlossenen Plastiktüte bei Zimmertemperatur vier Wochen lang aufbewahrt. Danach legt man diesen Torf in ein kleines Aquarium, gießt das Wasser aus dem Zuchtaquarium hinein und innerhalb von drei Tagen schlüpfen die Jungfische. Bei guter Pflege und Fütterung wachsen die kleinen Prachtkärpflinge rasch heran und sind dann nach rund sieben Monaten geschlechtsreif.
Aphyosemion gardneri akure "Blue"
Besonderes
Der in unseren Aquarien gepflegte Stamm von Aphyosemion australe hat beide Weltkriege überdauert und ist nun etwa 90 Jahre in Gefangenschaft.

Die Geschichte v. A. gardneri
In diesem Bericht aus dem DKG-Journal 3 wird deutlich beschrieben wie es zu den heutigen Fisch- Zuordnungen/-Namen kam.
Eigentlich kann man in diesem Bericht erkennen, dass die wissenschaftliche Aufarbeitung von A. gardneri alles andere als Zweifelsfrei ist oder gar als komplett unprofessionell bezeichnet werden kann. Darauf möchte ich auf folgender Seite weiter eingehen:
Auf dieser Seite befindet sich auch ein interessanter Erfahrungsbericht über die Haltung und Zucht von A. gardneri.
Auch
für Normalaquarianer geeignet - Der stahlblaue Prachtkärpfling
Aquaristik
aktuell, 5/96, 28ff
Die Geschichte des stahlblauen Prachtkärpflings
Wolfgang Chr. Schrey (DKG 11). DKG-Journal 3 (4): 40-45 (1971)

Man schrieb das Jahr 1911 als BOULENGER von einem Captain Namens R.D. GARDNER drei Fische bekam, welche er als Fundulus gardneri beschrieb.
Die Tiere wurden con Capt. GARDNER in Okwoga, am Hauptlauf des Cross River in Ost-Nigeria gefangen. Etwas später - jedoch ebenfalls im Jahre 1911 - beschrieb BOULENGER eine Art aus dem Cross River-Gebiet, welche in der Gegend von Udi gefangen wurde, als Haplochilus brucei . 1915 jedoch ordnete er die Art Haplochilus brucei der etwas früher beschriebenen Art Fundulus gardneri zu. In BOULENGER's Originalbeschreibung des H. brucei heisst es u.a. Haplochilus brucei hat 30-34 Schuppen in der mittleren Längsreihe. Bei Gardneri dagegen werden von BOULENGER 32 Schuppen in der mittleren Längsreihe angegeben.
Doch nun zurück zu dem
eigentlichen Gardneri , welcher zu damaliger Zeit als ein kleine
Sensation in der Aquaristik gewertet wurde. 1913 und 1914 wurde ein Fisch unter
der Bezeichnung Haplochilus calliurus australis erstmalig nach
Deutschland importiert.
Diese
Fische stammten aus Gabun, genauer gesagt vom dortigen Cap Lopez. Man wusste
nicht genau wie er hiess und benannte ihn einfach nach seinem Fundort "Cap
Lopez". 1921 wurde er dann von RACHOW als Haplochilus calliurus australis
beschrieben. Auch unser Gardneri profitierte von der "Liebhaber-Namensgebung"
indem er fortan schlicht als "blauer Cap Lopez" bezeichnet wurde.
So abwegig war jedoch diese Namensgebung für die damalige Zeit nicht, denn den
Liebhabern von damals fehlten die Kenntnisse in der Haltung von Killifischen
welche wir haben und heute bereits als selbstverständlich empfinden. So entstanden
in Unkenntnis der Dinge oftmals Kreuzungen. Trotzdem hatte man jedoch eine gewisse
Eigenheit unserer Killifische schon damals erkannt - vielleicht unbewusst -
sie liessen sich unschwer miteinander kreuzen. Unterstützt wurde die damalige
Unkenntnis noch durch eine gewisse äusserliche Gleichheit der Weibchen und die
naturbedingte enorme Aktivität der Männchen. Alle diese Faktoren müssen berücksichtigt
werden will man den eigentlichen Lebenslauf des Gardneri von
seiner Entdeckung bis heute aufbauen und rekonstruieren.
Gehen wir wieder zurück
in das Jahr 1911. Nicht nur im Hauptlauf des Cross River wurden Gardneri
entdeckt. Aufgrund der allgemeinen Begeisterung, welche der Fisch in Europa
durch seine Farbenpracht auslöste, wurde weiter nach ihm gesucht. Es war von
vorne herein klar, dass man mit dem Vorkommen im Cross River Gebiet den Bedarf
auf die Dauer nicht decken konnte. Es wurden also im Laufe der kommenden Jahre
Fische gesucht und auch gefunden. Nun musste man damals jedoch staunen. Nicht
nur im Gebiet des Cross River, sondern weit davon entfernt, in der Gegend von
Agwarba und Awka, ja sogar im Niger-Delta fanden sich Gardneri .
In Old Calabar fand sich sogar ein Tier einer halbgrünen Form. Zu dieser Zeit
hatte man auch schon die ersten Schwierigkeiten in der Nomenklatur des Gardneri .
Diese grüne Form fand alsbald Verbreitung als Spezies Funulus arnoldi.
In anderen Quellen wurde Gardneri sogar als Haplochilus arnoldi
oder als Aphyosemion nigerianum beschrieben. Dies Namensgebung
kann man - bezogen auf den damaligen Stand der Kenntnisse - nicht unbedingt
als falsch bezeichnen. Den ersten wirklich gravierenden Fehler machte RACHOW
1920, als er Tiere, welche 1908 aus dem Niger-Delta kamen und in den Becken
der Liebhaber auch nachgezüchtet wurden, als zur Bivittatum-Gruppe
gehörig beschrieb.
Vermutlich
standen ihm jedoch nur einige Tiere x-ten Aquariengeneration zur Verfügung.
Das Dilemma solle jedoch nicht so schnell enden. Man stritt sich darüber, welcher
Fisch jetzt tatsächlich zu Gardneri gehörte und welchen man zu
Arnoldi zuordnen solle. Dieses Durcheinander der Spezies und Subspezies
begann als BOULENGER mit der Identifizierung von Aquarienfischen
nach präpariertem Material anfing. ARNOLD sagte 1925, dass er - bevor BOULENGER
begann - in einem dieser präparierten Fische bereits Gardneri
erkannt habe, er glaube jedoch eher an eine Subspezies der Arnoldi .
ARNOLD stand damals der sogenannte "Stahlblaue Fundulus" zur Verfügung,
welcher jedoch zu Filamentosum zu rechnen ist. Später, d.h. in
den Jahren 1930-1931 untersuchte MEINKEN diese Tiere, welche unter dem Namen
"Stahlblauer Prachtfundulus" im Handel waren. Er erkannte, dass diese
Tiere, welche von DIETERICH (1915) und KRÜGER (1913) unter dem obigen Namen
auf den Markt gebracht wurden, zu Gardneri zu zählen sind. Inwieweit
da nun die blaue Form des Filamentosum mit beteiligt ist, entzieht
sich der Kenntnis des Verfassers. Fest steht jedoch, dass diese Form des Gardneri
damals unter der Bezeichnung "Fundulus aus Togo" oder "Fundulus
arnoldi var. blau" verbreitet waren.
Schon zu damaliger Zeit mussten sich die Aquarianer mit einer Vielfalt von Namen für ein und dieselbe Fischart herumschlagen. Die Erkenntnisse der letzten 20 Jahre brachten jedoch wichtige Neuerungen und zeigten deutlich, dass gerade Gardneri unter den Killifischen wohl die Stellung der Art mit der grössten Variationsbreite einnimmt. Diese Erkenntnis bringt aber leider alles andere als Ordnung. Selbst dann, wenn man diese Ordnung nur auf diese Gruppe beschränkt, wird das herrschende Durcheinander nicht kleiner, sondern sogar noch größer. 1963 wurden von SCHEEL die Arten Arnoldi , Filamentosum , Gardneri , Spurelli und Walkeri als zu einer grossen Gruppe von Killifischen gehörend bezeichnet. In dieser Gruppe befinden sich laut SCHEEL wiederum zwei Untergruppen. Die erste Untergruppe umfasst Arnoldi und Filamentosum , während die zweite alle übrigen Spezies enthält. Dieses begründet SCHEEL durch seine Untersuchungen der verschiedenen Formen dieser beiden Gruppen. Er entdeckt z.B. bei Arnoldi und Filamentosum bei 68 untersuchten Individuen 24-28 Schuppen in der mittleren Längsreihe. Die übrigen 249 untersuchten Exemplare, welche zu der zweiten Gruppe gehörten, wiesen dagegen 29-34 Schuppen in der mittleren Längsreihe auf. Außerdem zeigten sich beim Untersuchen der Flossenstrahlen ebenfalls Gemeinsamkeiten innerhalb jeder der beiden Gruppen.
Es ist in diesem Zusammenhang
zu bemerken, dass gerade in den 50er Jahren in den Becken der Liebhaber zwei
besonders auffällige Gardneri-Varianten gepflegt und vermehrt wurden.
Die erste Form zeigte vorherrschende Blautöne. Die Flanken der Tiere waren mit
dunkelroten Punkten übersät, welche von vorne nach hinten gesehen kleiner wurden.
Alle senkrechten Flossen dieser Variante zeigten eine dunkelrote Binde und einen
auffälligen bläulich-weissen Saum. Diese Form wurde zu damaliger Zeit als Aphyosemion
calliurum bezeichnet.
Derselbe
Fisch, aber mit leuchtend schwefelgelben Säumen der senkrechten Flossen, wurde
jedoch als Aphyosemon calliurum ahli in Umlauf gebracht. Hatte
man nun die eine oder die andere Art in seinen Becken und züchtete mit ihr,
so erhielt man unweigerlich beide Arten von Männchen innerhalb einer Zucht.
Die weiblichen Tiere waren nicht zu unterscheiden. Es besteht gerade bei diesem
Beispiel kaum ein Zweifel, dass irgendwann einmal zwei Gardneri-Fromen
erfolgreich miteinander gekreuzt wurden. Diese Art Gardneri ist jedoch
im Laufe der Jahre fast völlig verschwunden. Ein ähnlicher Fisch kam etwa zu
Beginn der 69er Jahre als Aphyosemion nigerianum in den Handel. Im
Gegensatz zu der - ich möchte sie als calliurum - Form bezeichnen,
schien er, was die gelben Flossensäume betraf, ziemlich reinerbig zu sein. Noch
ein Phänomen gegenüber unseren heutigen Gardneri hatten diese Formen
in ihrer Zucht. Sie wurden fast ausschliesslich als Haftlaicher behandelt, wie
auch der "Kap Lopez". Die Zeitigungsdauer des Laichs lag ungefähr
bei 16 Tagen bei 20-22°C Wassertemperatur. Gezüchtet wurde prinzipiell in reinem
Regenwasser und, wie es die Becken der Zoohändler zeigten, mit bestem Erfolg.
Damals kostete ein Paar dieser Fische durchschnittlich höchstens 5,-- DM, ein
Preis also, welcher nur für einen im Inland erzeugten Fisch in Frage kam. Diese
kurze Zeitigungsdauer des Laiches liegt bei unseren heute gehaltenen Gardneri-Formen
überhaupt nicht mehr drin, wenn der Züchter zu einigermaßen brauchbaren Resultaten
kommen will.
Lassen wir dem Gardneri
seine kleinen Geheimnisse ruhig. Warum soll er nur in seiner Färbung variabel
sein. Steht es ihm nicht auch zu, uns Liebhabern in seinem Fortpflanzungsverhalten
Rätsel aufzugeben? In der Zwischenzeit waren aber auch die Fänger und Importeure
nicht untätig. Dank wesentlich verbesserter Flugverbindungen zum Schwarzen Kontinent
kamen in den letzten zehn Jahren immer neuere und schönere Formen des Aphyosemion
gardneri - wie er heute heisst - in die Becken der Liebhaber. So wurden
1961 von einem Herrn Ulf HANERZ im Wochoka-River, bei Port Hacourt in Ost-Nigeria
einige besonders schöne Exemplare gefangen. Bei einem Vergleich mit den früher
bei Akure gefangenen Tieren zeigte sich ein deutlicher Unterschied in den roten
Punkten der Flanken, welche bei den Port Harcourt Tieren in wesentlich grösserer
Anzahl und kräftigerem rot vorhanden waren.
Die
blaue Grundfärbung der Akure-Gardneri war bei den Port Harcourt-Gardneri
einem kräftigen Blaugrün gewichen. Die Ober- und Unterkante der Schwanzflosse
zeigte leuchtend schwefelgelbe Säume, während die Rücken- und Afterflosse orangefarbene
breite Säume zeigten. Doch damit nicht genug. Inzwischen hatte man in der Gegend
von Eymojok in West-Kamerun eine sehr schöne, grünliche Variante der A.
gardneri gefunden. Bei dieser Form sah man rote Punkte nur vereinzelt
in der hinteren Körperhälfte. In der vorderen Körperhälfte waren diese roten
Punkte so dicht zusammen, dass sie sich zu kurzen wagerechten Strichen vereinigten.
Die Schwanzflosse dieser Tiere war himmelblau an ihrem oberen und unteren Rand
gesäumt. Der hintere Teil der Schwanzflosse war bordeauxrot.
Auch in letzter Zeit wurde ein Aphyosemion "burundi" verhältnismäßig oft im Handel angeboten. Viele glauben in diesem Fisch eine neue Variante des A. gardneri zu erkennen. Das mag bei oberflächlicher Betrachtung durchaus zutreffen. Sieht man jedoch genauer hin, so zeigt der sog. Burundi wesentliche Unterschiede zum A. gardneri. Ich habe diesen Burundi und verschiedene A. gardneri-Formen miteinander erfolgreich gekreuzt. Die Nachkommen dieser Tiere waren jedoch in allen Fällen steril. Bis heute steht noch nicht fest, ob dieser A. burundi, welcher nach seinem Fundort Burundi in Ostafrika benannt wurde, eine selbstständige Art oder zu Gardneri gezählt werden muss. Ebenso wurde in letzter Zeit ein Fisch als sogenannter "T1" eingeführt. Auch bei ihm ist es zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar, ob er zu Gardneri gehört.
Einzelne Gardneri-Typen haben noch eine für den Züchter sehr unangenehme Eigenschaft. Sie sind fast nicht zu vermehren. Ob diese Eigenart auf Kreuzungen der einzelnen Formen zurückzuführen ist, vermag ich hier nicht zu klären. Es mag zumindest bei einigen Formen zutreffen, jedoch nicht bei allen. Es gibt sogar Formen des A. gardneri deren Nachkommen steril sind, wenn es Kreuzungsprodukte von zwei in der Herkunft verschiedener Gardneri Schläge sind. Das sollte zu denken geben und den ernsthaften Liebhaber zwar nicht von Kreuzungsversuchen abhalten, sondern in anregen, diese nicht als Gardneri, sondern als Hybriden in den Handel zu bringen. Er bewahrt andere Liebhaber vor unnötigen Anstrengungen.
Sie sehen also, dass Aphyosemion gardneri nicht nur einer der ganz alten Bekannten ist. Auch er wird uns noch manche harte Nuss zu knacken geben, besonders, da es gewiss ist, auch in nächster Zeit noch einige dieser "alten" neuen Bekannten in den Becken der Liebhaber zu einem Besuch zu empfangen. Gehen wir von der Grösse der Tiere aus, so hatte ich in meinen Becken Zwergformen, welche nicht über 5 cm groß wurden, neben wahren "Goliaths" mit echten 12 cm. Alles waren einwandfreie Gardneri. Es gibt Gardneri, welche so friedlich wie ein Lamm sind und andere, die so aggressiv sind, dass sie es mit dem Zeigefinger ihres Pflegers aufnehmen. Es gibt schlanke Tiere neben gedrungenen, stämmigen, welche vor Kraft nicht wissen wohin. Tiere in allen nur möglichen Blau- und Grünschattierungen, mit und ohne gelb. Mit vielen oder wenigen roten Punkten. Schaut man sich daneben die Weibchen an, so muss man feststellen, dass sie zwar nicht so bunt jedoch zumindest ebenso variabel sind wie die Herren Gardneri.
Ich glaube doch abschliessend bemerken zu dürfen, dass wenn ein Aquarianer sich intensiv mit Gardneri beschäftigt, er kaum noch Langeweile kennt. Allein die Gardneri-Gruppe mit ihrer ungeheuren Variationsbreite bietet genug Abwechslung und lässt eine Ausdehnung der Liebhaberei auf andere Arten fast vergessen.