Werner Eigelshofen

Aphyosemion mirabile -
die Wunderkärpflinge aus Westkamerun

Aphyosemion1.jpg (13252 Byte)Innerhalb der Gattung Aphyosemion bilden Aphyosemion mirabile mit seinen Unterarten sowie A. gardneri, A. spoorenbergi, A. ndianum, A. amieti, A. puerzli, A. cinnamomeum und A. walkeri die Untergattung Paraphyosemion. Morphomeristisch gehört A. mirabile zu A. gardneri, bei der Kreuzung beider Arten werden jedoch nur sterile Hybriden erzielt.

Imponierende Wunderkärpflinge sind immer wieder ein faszinierender Anblick.


Obwohl alle A.-mirabile-Formen untereinander frucht bar zu kreuzen sind, hat man die verschiedenen Lokalformen vier Unterarten zugeordnet. Sie alle sind trotz geringer Streuung im Zeichnungsmuster gegeneinander gut abgrenzbar und werden auch seit Jahren von Kamerun reisenden konstant an den gleichen Stellen gefangen. Es ist davon auszugehen, dass sie sich zu validen Arten entwickeln werden, auch wenn dies noch Jahrtausende dauern mag. Aphyosemion mirabile und seine Unterarten bewohnen Zuflüsse des obere Cross-River in Westkamerun.

Aphyosemion2.jpg (8790 Byte)Aphyosemion mirabile intermittens „Tinto“ besticht durch plakative Farben.


Aphyosemion mirabile mirabile

Bei ihrer Ersteinfuhr erregten die A. mirabile, die schon bald als Wunderkärpflinge Westkameruns bekannt wurden, grosses Aufsehen unter den Liebhabern. Die No minatform A. mirabile mirabile wurde 1970 von Radda und Häfelin bei Mbio gefunden. Sie zeigt überwiegend blauweisse Farbanteile, weshalb man bei ihr vom blauen Typ spricht. Alle weiteren Unterarten rechnet man wegen ihres Aussehens dem gelben Typ zu.

Bisher ist A. mirabile mirabile nur vom Typenfundort (terra typica) bekannt, der an der Straße von Kumba nach Mamfe liegt. Er befindet sich rund 100 m vor der Ortschaft Mbio, wo er die Straße unterquert. Dieser kleine Bach ist am Ende der Trockenzeit praktisch nur noch ein Rinnsal.

Aphyosemion3.jpg (7835 Byte)Ähnlich gefärbt sind die Männchen von A. mirabile traudae „Manyemen“.


Aphyosemion mirabile intermittens

Die sogenannte "Intermittens-Population" sammelte Radda im Februar 1971 ungefähr 6 km südlich von Bakebe, an der Straße von Mamfe nach Manyemen. Von diesem, zwischen A. mirabile traudae und A. mirabile moense stehenden Killifisch wurden mehrere Fundorte bekannt.

Aphyosemion mirabile traudae

Als südlichste Mirabile-Form bewohnt A. mirabile traudae Bäche vor und hinter Manyemen an der Straße von Kumba nach Mamfe und an der Strasse nach Mungo Ndor.

Aphyosemion mirabile moense

In allen Bächen im Bereich der Ortschaften Kendem und Noumba ist A. mirabile moense als nördlichste Form der Art anzutreffen. Als Typenfundort wurde ein Gewässer zwischen Bachuo Akagbe und Bamenda angegeben.

Aphyosemion4.jpg (11946 Byte)Aphyosemion mirabile moense „Noumba“ hat ausgeprägte gelbe Flossensäume.


Aphyosemion sp. "Takwai"

Mit großer Wahrscheinlichkeit gehört der 1980 von Schwoiser gefundene und in den späteren Jahren von Gresens und Mitreisenden wiederholt eingeführte A. sp. "Takwai" ebenfalls zu den A.-mirabile-Formen. Bisher wurde dieser Prachtkärpfling nur aus einem Bach bei den Dörfern Takwai I bis III bekannt.

Haltung und Zucht

Obwohl die Haltung aller Eierlegenden Zahnkarpfen im Artenbecken bevorzugt wird, lassen sich einige Formen aus dem A.-mirabile-Kreis auch hervorragend mit kleinen Salmlern, Barben und Panzerwelsen vergesellschaften. Wenn der restliche Fischbestand die gleichen Ansprüche an die Wasserqualität stellt, bilden Killifische immer einen schönen und exklusiven Kontrast im Gemeinschaftsbecken.

Zur Pflege im Gesellschaftsaquarium ist leicht saueres und weiches bis mittelhartes Wasser angebracht, wobei die Temperatur zwischen 22 bis 24 °C liegen sollte. Bei der Verwendung eines Außenfilters kann, um das Wasser leicht anzusäuern, über Fasertorf gefiltert werden. Auch wenn im natürlichen Lebensraum dieser Eierlegenden Zahnkarpfen selten Wasserpflanzen zu finden sind, sollte im Schauaquarium nicht auf eine gute, jedoch nicht zu lichtbedürftige Bepflanzung verzichtet werden. Javafarn, Javamoos, Anubias und Bolbitis eignen sich neben Wurzeln und Steinen zur Einrichtung eines Aquariums, in dem die Wunderkärpf linge und eventuell noch andere Fische gehalten werden sollen. Zur Minderung des Oberlichts kann die Wasseroberfläche zur Hälfte mit Schwimm pflanzen besetzt werden.

Aphyosemion5.jpg (9538 Byte)Diese neue Variante ist im Hobby als Aphyosemion sp. „Takwai“ bekannt.


Als Bodengrund ist der allgemein übliche Kies nicht sehr empfehlenswert, vielmehr sollte Lavabruch oder schwarzer Kies (Basaltsplitt) Verwendung finden. Über dunklem Boden sind viele Zierfische nicht so schreckhaft und zeigen sich außerdem farbenprächtiger.

Der Speiseplan unserer Wunderkärpflinge kann mit Lebend-, Frost- und Flockenfutter vielseitig gestaltet werden. Um einer Verfettung der ausgewachsenen Fische vorzubeugen, ist auf sparsame Futtergabe zu achten. Ein oder zwei Hungertage in der Woche tragen sehr zum Wohlbefinden der Prachtkärpflinge bei und erhöhen die bei rund zwei Jahren liegende Lebenserwartung. Das Sortiment an Killifischen ist im normalen Zoofachhandel leider äußerst beschränkt, was besonders für die A.-mirabile-Formen gilt. Eine größere Auswahl dieser Fische wird hingegen von in der Deutschen Killifisch Gemeinschaft (DKG) organisierten Liebhabern gehalten und durch Nachzucht verbreitet. Viele Hobbyfreunde sehen gerade in der erfolgreichen Zucht eine Bestätigung für ihr Bemühen um eine ordentliche Pflege. Zur Zuchtvorbereitung werden die Wunderkärpflinge nach Geschlechtern getrennt und ein oder zwei Wochen gut gefüttert. Meist ist dann bei den Weibchen ein verstärkter Laichansatz sichtbar. Als Zuchtbehälter eignen sich fünf oder zehn Liter fassende Aquarien, in die man eine ein bis zwei Zentimeter hohe Schicht aus reinem Fasertorf oder Torfmull (keine Zusätze!) als Laichsubstrat einbringt. Dieser Torf sollte vorher gut gewässert und ausgespült worden sein.

Sobald sich der Torf gesetzt hat, werden die Killis paar- oder trioweise eingesetzt. Nach einer kurzen Zeit der Eingewöhnung sind bald schon die ersten Laichvorgänge zu sehen. Je nach Anzahl der gewünschten (oder erhofften) Nachzucht lässt man die Tiere entweder 3 Tage im Kurzansatz oder 14 Tage im Daueransatz ablaichen. Während des Daueransatzes müssen die A. mirabile sparsam aber gut gefüttert werden.

Aphyosemion6.jpg (9736 Byte)Ein Männchen der Nominatform Aphyosemion mirabile mirabile von Mbio.


Oft sind die Weibchen aber schon nach einigen Tagen vollkommen ausgelaicht, was man am flachen Bauch leicht erkennen kann. Zu ihrer Schonung sollte der Ansatz dann sofort vorzeitig abgebrochen werden. Alternativ können sonst auch neue, ausgeruhte Weibchen zum Männchen gesetzt werden. Nach Beendigung des Zuchtansatzes werden die Fische aus dem Aquarium entfernt und man gießt den Beckeninhalt vorsichtig durch ein feinmaschiges Netz. Der zurückgebliebene Torf, er beinhaltet die Laichkörnern, wird nun gut ausgedrückt und auf einer Lage Zeitungspapier angetrocknet. Anschließend kommt er in eine verschließbare Plastikdose oder einen Plastikbeutel. Für vier bis sechs Wochen wird der Torf so bei Zimmertemperatur gelagert. Das Beschriften mit Artnamenw, Fundort, Datum des Trockenlegens und voraussichtlichem Aufgusstermin sollte man nicht vergessen!

Nach der Lagerzeit muß nun das Torfsubstrat mit den darin enthaltenen Eiern mit Wasser übergossen werden. Während der Lagerung haben sich nämlich alle Embryonen in den Laichkörnern gleichmäßig bis zur Schlupf reife entwickelt. Aufgegossen wird am besten im ehemaligen Zuchtbecken. Das Wasser sollte mit 16 bis 18 °C relativ kühl gewählt werden, der Wasserstand 5 cm nicht überschreiten.

Der Schlupf der Jungen erfolgt fast zeitgleich innerhalb weniger Stunden. Sobald man sie frei im Wasser schwimmen sieht, kann man auch schon frisch geschlüpfte Artemia-Nauplien und Mikrowürmchen als Erstfutter reichen. Ihnen wird kräftig nachgestellt. Sind die Jungen dann etwa zwei Wochen alt, so sollten sie zur weiteren Aufzucht in größere Aquarien umgesetzt werden. Bei abwechslungsreicher und guter Fütterung mit ausgesiebten Wasserflöhen, Cyclops und kleingeschnittenen Mückenlarven sowie häufigem Teilwasserwechsel ist das Wachstum zügig. Ausgewachsen sind die Wunderkärpflinge nach rund einem Jahr.

Alles in allem stellt Aphyosemion mirabile mit seinen Unterarten sehr dankbare Pfleglinge. Sie können jedem Aquarienfreund empfohlen werden, der bereit ist, auf seine Fische einzugehen und ihnen den richtigen Lebensraum zu schaffen.

©1996 by Dähne Verlag, Postfach 250, Ettlingen