Werner Eigelshofen
Aphyosemion mirabile -
die Wunderkärpflinge aus Westkamerun
Innerhalb
der Gattung Aphyosemion bilden Aphyosemion mirabile mit
seinen Unterarten sowie A. gardneri, A. spoorenbergi, A. ndianum,
A. amieti, A. puerzli, A. cinnamomeum und A. walkeri die
Untergattung Paraphyosemion. Morphomeristisch gehört A.
mirabile zu A. gardneri, bei der Kreuzung beider Arten
werden jedoch nur sterile Hybriden erzielt.
Imponierende Wunderkärpflinge sind immer
wieder ein faszinierender Anblick.
Obwohl alle A.-mirabile-Formen untereinander frucht bar zu kreuzen
sind, hat man die verschiedenen Lokalformen vier Unterarten
zugeordnet. Sie alle sind trotz geringer Streuung im Zeichnungsmuster
gegeneinander gut abgrenzbar und werden auch seit Jahren von Kamerun
reisenden konstant an den gleichen Stellen gefangen. Es ist davon
auszugehen, dass sie sich zu validen Arten entwickeln werden, auch
wenn dies noch Jahrtausende dauern mag. Aphyosemion mirabile und seine
Unterarten bewohnen Zuflüsse des obere Cross-River in Westkamerun.
Aphyosemion
mirabile intermittens „Tinto“ besticht durch plakative Farben.
Aphyosemion mirabile mirabile
Bei ihrer Ersteinfuhr erregten die A. mirabile,
die schon bald als Wunderkärpflinge Westkameruns bekannt wurden, grosses
Aufsehen unter den Liebhabern. Die No minatform A. mirabile mirabile
wurde 1970 von Radda und Häfelin bei Mbio gefunden. Sie zeigt überwiegend
blauweisse Farbanteile, weshalb man bei ihr vom blauen Typ spricht.
Alle weiteren Unterarten rechnet man wegen ihres Aussehens dem gelben
Typ zu.
Bisher ist A. mirabile mirabile nur vom
Typenfundort (terra typica) bekannt, der an der Straße von Kumba nach
Mamfe liegt. Er befindet sich rund 100 m vor der Ortschaft Mbio, wo er
die Straße unterquert. Dieser kleine Bach ist am Ende der Trockenzeit
praktisch nur noch ein Rinnsal.
Ähnlich
gefärbt sind die Männchen von A. mirabile traudae „Manyemen“.
Aphyosemion mirabile intermittens
Die sogenannte "Intermittens-Population"
sammelte Radda im Februar 1971 ungefähr 6 km südlich von Bakebe, an
der Straße von Mamfe nach Manyemen. Von diesem, zwischen A. mirabile
traudae und A. mirabile moense stehenden Killifisch wurden mehrere
Fundorte bekannt.
Aphyosemion mirabile traudae
Als südlichste Mirabile-Form bewohnt A. mirabile
traudae Bäche vor und hinter Manyemen an der Straße von Kumba nach
Mamfe und an der Strasse nach Mungo Ndor.
Aphyosemion mirabile moense
In allen Bächen im Bereich der Ortschaften Kendem
und Noumba ist A. mirabile moense als nördlichste Form der Art
anzutreffen. Als Typenfundort wurde ein Gewässer zwischen Bachuo
Akagbe und Bamenda angegeben.
Aphyosemion
mirabile moense „Noumba“ hat ausgeprägte gelbe Flossensäume.
Aphyosemion sp. "Takwai"
Mit großer Wahrscheinlichkeit gehört der 1980 von
Schwoiser gefundene und in den späteren Jahren von Gresens und
Mitreisenden wiederholt eingeführte A. sp. "Takwai"
ebenfalls zu den A.-mirabile-Formen. Bisher wurde dieser Prachtkärpfling
nur aus einem Bach bei den Dörfern Takwai I bis III bekannt.
Haltung und Zucht
Obwohl die Haltung aller Eierlegenden Zahnkarpfen
im Artenbecken bevorzugt wird, lassen sich einige Formen aus dem
A.-mirabile-Kreis auch hervorragend mit kleinen Salmlern, Barben und
Panzerwelsen vergesellschaften. Wenn der restliche Fischbestand die
gleichen Ansprüche an die Wasserqualität stellt, bilden Killifische
immer einen schönen und exklusiven Kontrast im Gemeinschaftsbecken.
Zur Pflege im Gesellschaftsaquarium ist leicht
saueres und weiches bis mittelhartes Wasser angebracht, wobei die
Temperatur zwischen 22 bis 24 °C liegen sollte. Bei der Verwendung
eines Außenfilters kann, um das Wasser leicht anzusäuern, über
Fasertorf gefiltert werden. Auch wenn im natürlichen Lebensraum
dieser Eierlegenden Zahnkarpfen selten Wasserpflanzen zu finden sind,
sollte im Schauaquarium nicht auf eine gute, jedoch nicht zu lichtbedürftige
Bepflanzung verzichtet werden. Javafarn, Javamoos, Anubias und
Bolbitis eignen sich neben Wurzeln und Steinen zur Einrichtung eines
Aquariums, in dem die Wunderkärpf linge und eventuell noch andere
Fische gehalten werden sollen. Zur Minderung des Oberlichts kann die
Wasseroberfläche zur Hälfte mit Schwimm pflanzen besetzt werden.
Diese
neue Variante ist im Hobby als Aphyosemion sp. „Takwai“ bekannt.
Als Bodengrund ist der allgemein übliche Kies nicht sehr
empfehlenswert, vielmehr sollte Lavabruch oder schwarzer Kies
(Basaltsplitt) Verwendung finden. Über dunklem Boden sind viele
Zierfische nicht so schreckhaft und zeigen sich außerdem farbenprächtiger.
Der Speiseplan unserer Wunderkärpflinge kann mit
Lebend-, Frost- und Flockenfutter vielseitig gestaltet werden. Um
einer Verfettung der ausgewachsenen Fische vorzubeugen, ist auf
sparsame Futtergabe zu achten. Ein oder zwei Hungertage in der Woche
tragen sehr zum Wohlbefinden der Prachtkärpflinge bei und erhöhen
die bei rund zwei Jahren liegende Lebenserwartung. Das Sortiment an
Killifischen ist im normalen Zoofachhandel leider äußerst beschränkt,
was besonders für die A.-mirabile-Formen gilt. Eine größere Auswahl
dieser Fische wird hingegen von in der Deutschen Killifisch
Gemeinschaft (DKG) organisierten Liebhabern gehalten und durch
Nachzucht verbreitet. Viele Hobbyfreunde sehen gerade in der
erfolgreichen Zucht eine Bestätigung für ihr Bemühen um eine
ordentliche Pflege. Zur Zuchtvorbereitung werden die Wunderkärpflinge
nach Geschlechtern getrennt und ein oder zwei Wochen gut gefüttert.
Meist ist dann bei den Weibchen ein verstärkter Laichansatz sichtbar.
Als Zuchtbehälter eignen sich fünf oder zehn Liter fassende
Aquarien, in die man eine ein bis zwei Zentimeter hohe Schicht aus
reinem Fasertorf oder Torfmull (keine Zusätze!) als Laichsubstrat
einbringt. Dieser Torf sollte vorher gut gewässert und ausgespült
worden sein.
Sobald sich der Torf gesetzt hat, werden die Killis
paar- oder trioweise eingesetzt. Nach einer kurzen Zeit der Eingewöhnung
sind bald schon die ersten Laichvorgänge zu sehen. Je nach Anzahl der
gewünschten (oder erhofften) Nachzucht lässt man die Tiere entweder
3 Tage im Kurzansatz oder 14 Tage im Daueransatz ablaichen. Während
des Daueransatzes müssen die A. mirabile sparsam aber gut gefüttert
werden.
Ein
Männchen der Nominatform Aphyosemion mirabile mirabile von Mbio.
Oft sind die Weibchen aber schon nach einigen Tagen vollkommen
ausgelaicht, was man am flachen Bauch leicht erkennen kann. Zu ihrer
Schonung sollte der Ansatz dann sofort vorzeitig abgebrochen werden.
Alternativ können sonst auch neue, ausgeruhte Weibchen zum Männchen
gesetzt werden. Nach Beendigung des Zuchtansatzes werden die Fische
aus dem Aquarium entfernt und man gießt den Beckeninhalt vorsichtig
durch ein feinmaschiges Netz. Der zurückgebliebene Torf, er
beinhaltet die Laichkörnern, wird nun gut ausgedrückt und auf einer
Lage Zeitungspapier angetrocknet. Anschließend kommt er in eine
verschließbare Plastikdose oder einen Plastikbeutel. Für vier bis
sechs Wochen wird der Torf so bei Zimmertemperatur gelagert. Das
Beschriften mit Artnamenw, Fundort, Datum des Trockenlegens und
voraussichtlichem Aufgusstermin sollte man nicht vergessen!
Nach der Lagerzeit muß nun das Torfsubstrat mit
den darin enthaltenen Eiern mit Wasser übergossen werden. Während
der Lagerung haben sich nämlich alle Embryonen in den Laichkörnern
gleichmäßig bis zur Schlupf reife entwickelt. Aufgegossen wird am
besten im ehemaligen Zuchtbecken. Das Wasser sollte mit 16 bis 18 °C
relativ kühl gewählt werden, der Wasserstand 5 cm nicht überschreiten.
Der Schlupf der Jungen erfolgt fast zeitgleich
innerhalb weniger Stunden. Sobald man sie frei im Wasser schwimmen
sieht, kann man auch schon frisch geschlüpfte Artemia-Nauplien und
Mikrowürmchen als Erstfutter reichen. Ihnen wird kräftig
nachgestellt. Sind die Jungen dann etwa zwei Wochen alt, so sollten
sie zur weiteren Aufzucht in größere Aquarien umgesetzt werden. Bei
abwechslungsreicher und guter Fütterung mit ausgesiebten Wasserflöhen,
Cyclops und kleingeschnittenen Mückenlarven sowie häufigem
Teilwasserwechsel ist das Wachstum zügig. Ausgewachsen sind die
Wunderkärpflinge nach rund einem Jahr.
Alles in allem stellt Aphyosemion mirabile mit
seinen Unterarten sehr dankbare Pfleglinge. Sie können jedem
Aquarienfreund empfohlen werden, der bereit ist, auf seine Fische
einzugehen und ihnen den richtigen Lebensraum zu schaffen.
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