Rangers
are coming home
Nach vielen Monaten der Vorbereitung war es am Dienstag dem 5. März 2002 soweit: Eine vierköpfige Abordnung des Grazgo! Rangers F.C. machte sich um 22°° Uhr von Graz ins ferne Schottland auf. Grund dieser Reise waren aber nicht etwa das Besichtigen der berühmten Schlösser und Burgen auch nicht das Bewandern der atemberaubenden Highlands - Nein, diese Reise stand ganz im Zeichen des wohl größten Herrschers der Gegenwart: dem König Fußball. Zur Abwechslung durften wir (leider oder Gott sei dank) aber nicht selbst dem Leder, das die Welt bedeutet, hinterherjagen, sondern beim Besuch unserer Muttermannschaft dem großen Glasgow Rangers Football Club auf die Beine schauen, hinter die Kulissen eines Weltvereines blicken und unzählige unbeschreibliche Eindrücke jeglicher Art sammeln. Nachdem Thomi Machazek (C) seine Fähigkeiten als Mannschaftsführer diesmal nicht am Spielfeld sondern vielmehr hinter dem Volant seines Opel Astra unter Beweis stellte und uns nach neunstündiger Fahrt sicher zum Flughafen Frankfurt-Hahn brachte, wurde die allgemeine Vorfreude auf den Flug jedoch durch den vorort herrschenden dichten Nebel im wahrsten Sinne des Wortes getrübt. Fazit: Der Flieger der Ryanair konnte nicht landen und wir wurden auf den Flug tags darauf verlegt. Der vermeintliche Anreisetag wurde so zum ersten Ruhetag, den man in der netten 8000 Einwohnergemeinde Simmern in der Pension Vogelsang gleich neben der Heimarena des wohl weltweit bekannten FC Hunsrück verbrachte. Statt der erwarteten ersten Pints of Ale mußten wir uns noch mit Weißbier und Pils begnügen, was der guten Laune und der Zuversicht auf den nächsten Tag aber sicher keinen Abbruch tat. Das Wetter schien am nächsten Tag auf den ersten Blick aus dem Fenster zwar auch nicht besser als am Vortag zu sein, jedoch hat es sich, indem es regnete, zu unserem Vorteil verbessert. Kalkulator Gernot mit seiner unglaublichen Gabe zur Logik ließ die Gemüter mit der Gleichung: "Burschen, bei Regen gibt´s kan Nebel-und bei kan Nebel müßt´ er (der Flieger) heut landen" sogleich munter werden-und tatsächlich nach flottem Check-in und wiederholtem Frühstückszenario im Flughafenrestaurant (Ein bisserl Weckerl mit Kakao und darauf gleich wieder viel Bier bzw. Rotwein für die kreislaufgeschwächten "Old-Boys" (Thomi und Gernot bekamen ob ihrer paar Jährchen, die sie gegenüber Andi und mir mehr auf dem Buckel hatten, zugleich diesen Namen, den sie wie den Alkoholspiegel in ihrem Blut durch die darauffolgende Woche tragen sollten)), saßen wir dann wirklich nach freier Platzwahl in unserer Boeing, die dann nach 15 Minuten Verspätung wirklich Richtung Nordwesten ins heißersehnte Glasgow abheben sollte! Nach guten eindreiviertel Stunden Flugzeit hatten wir Ärmelkanal samt England überflogen (Falls der Flug erneut ausgefallen wäre, hätten wir alternativ den Erdweg mittels Thomis Ranger-Mobil in wohl eindreiviertel Tagen in Angriff nehmen müssen!) und sind im rund 50 km südlich von Glasgow entfernten Prestwick angekommen. Nach einer ausgiebigen Jausenpause, in der wir unsere ersten wohlverdienten Ales konsumierten, setzten wir die letzte Etappe nach Glasgow mit dem Bus fort. Nach einer guten Fahrstunde durch die landschaftlich wenig interessanten Lowlands erreichten wir unser Ziel und wurden recht nahe unserer Herberge abgesetzt. Das McLays Guesthouse war sicherlich keine Nobelherberge, besonders nicht das von Andi und mir bewohnte Zimmer Nr. 29, welches wir liebevoll "The Rat-hole" tauften. Die Herren Old-Boys wurden dagegen mit englischem Respekt behandelt und durften das sehr schöne und sonnendurchflutete Zimmer Nr. 30 bewohnen. Die sanitären Anlagen mußten wir uns mit Bewohnern aus der gleichen Etage teilen, bzw. bekamen wir auch hin und wieder Besuch aus den anderen Stockwerken, wenn mal das eigene Etagenklo oder -bad wieder mal besetzt waren. Dafür war aber alles recht hygienisch und richtig gegraust hat es eigentlich allen, außer mir, nur vor dem "Full Scottish Breakfast", bestehend aus einer knackigen Bratwurst, einem Kartoffelpuffer, einem Spiegelei und einer Portion süßen Bohnen. Ich hab dies opulente Mahl gezählte sieben Mal durchgedrückt und bin bis heute noch nicht an Herzverfettung gestorben..... Das wirklich Gute an unserer Absteige war jedoch die wirklich zentrale Lage und der dafür verhältnismäßig günstige Preis von ATS 800,-/pro Zimmer/Nacht sowie die freundlichen Mitbewohner und Pensionsangestellten, die sehr viel Geduld und Nachsicht mit uns vier nicht gerade leisen Österreichern hatten. Jedoch was sollten wir dafür können, daß die Türen hinter einem so schnell zufallen und die eigene Motorik ob des starken Alkoholeinflusses ein Abstoppen nahezu unmöglich machte? Am ersten Tag, also Donnerstag 07.März, machten wir uns erstmal in unseren Zimmern breit und wagten unsere ersten Gehversucher in der 750000-Einwohner-Metropole. In Thomis Reiseführer wurde auf das durch die Universität geprägte Studentenviertel im Westend hingewiesen, das sich im Nachhinein als ziemliche Enttäuschung entpuppte, da es von der Anlage eher der Annenstraße als dem Bermudadreieck ähnelte. Los war dort auch nicht besonders viel und so beschlossen wir zu fortgeschritterner Stunde ins vom Reiseführer als etwas versnobt klassifizierte "City-Center" zu wechseln. Dort war das Weggehflair durch die Fußgängerzonen und das vermehrte Personenaufkommen schon eher gegeben, jedoch wurden wir in keinen der von Experten so hochgelobten Clubs eingelassen und waren von der nach London angeblich zweitangesagtesten Stadt Großbritanniens schon etwas frustriert. Immerhin stolperten wir dann doch mehr zufällig als gewollt in ein Pub, in dem ein Hardcore-Punk Contest stattfand. Die Stimmung dort war wirklich großartig und hier fühlten wir erstmals, daß in dieser Stadt wirklich irgendwas "pulsierte". Der erste Tag war ohne große Ereignisse also rum, doch ab Freitag sollte sich alles ändern..... Am Vormittag wurde getrödelt, Flair inhaliert und geshoppt, daß man meinen könnte, es handelte sich bei uns um eine Damengruppe-aber weit gefehlt, denn am Nachmittag stand der erste große Höhepunkt am Programm: Die Stadionbesichtigung! Am Ziel der Träume Nach kurzer Verspätung trafen wir in der Rezeptionshalle im altehrwürdigen Ibrox-Stadion des F.C Glasgow Rangers ein und wurden beinahe vom etwas verdutzten Rezeptionisten und Ranger-Urgestein Paul wieder rausgescheucht, wenn ich ihm nicht gerade noch hätte klarmachen können, daß WIR die GRAZGO! RANGERS sind und WIR PERSÖNLICH von Mrs. Julie Donald - Manager of the Ranger Ticket Center HIER erwartet werden. Ein kurzes Telefonat und schon wurden wir höflich gebeten einen Moment in der Ledercouch-bestuhlten Lobby Platz zu nehmen. Nach wenigen Momenten tauchte Julie dann auch mit einer Kollegin auf und nachdem wir dann einige Minuten mit einem noch dazugekommen Manager plauderten (der Inhalt des Gesprächs ist mir bis heute noch nicht bekannt, Kopfnicken und Grinsen hat mir bis jetzt aber überall noch weitergeholfen) gings dann los über die Hall of Fame (eigentlich nur eine Mamortafel in der die Namen der bedeutendsten Rangers aller Zeiten eingraviert sind) in den Blue Room, der Raum in dem die Empfänge und die Völlereien stattfinden) Der Tisch war zwar für ca. 30 Personen gedeckt, daß wir aber nur zu viert gekommen sind dürfte den Koch beleidigt haben..... Der Trophäenraum - ähnlich wie im O´riginal Pub: Ein Haufen Blech hinter Glas Nach dem Blue Room führte man uns in den Trophy Room, wo die unzähligen Trophäen, Pokale, Wimpel usw. des so erfolgreichen Vereins ausgestellt werden. Danach gings dann raus auf die Haupttribüne, wo wir zum ersten Mal so richtig die großartige Atmosphäre dieses 50000 Zuseher fassenden Stadions inhalieren durften. Die Tribünen stehen direkt am Spielfeldrand und werden von diesem weder durch eine Laufbahn noch durch einen Graben und schon gar nicht durch Zäune vom heiligen Rasen getrennt. Die Tribünen verlaufen relativ flach dafür aber recht weit nach hinten. In den beiden Ecken der Gegentribüne sind zwei riesengroße Videowalls installiert. Dem Rasen merkte man das rauhe Wetter und die vielen Spiele an und machte einen ziemlich maroden Eindruck. Die beiden Damen führten uns anschließend dann eine Zeit lang durch mehrere Gänge, wir mußten auch mit dem Lift fahren, gingen dann wieder durch einen Gang, ich hatte keine Ahnung, wo wir eigentlich waren und wohin wir eigentlich als nächstes sollten, plötzlich bogen wir nach links ab und standen plötzlich im Spielertunnel! Vor einer Woche noch in Vasoldsberg, jetzt im Ibrox-Stadion Das war für mich zumindest einer der ergreifendsten Momente, der wirklich beiindruckend war. Ehrfürchtig durchschritten wir ihn, bis wir zwischen den Spielerbänken vor dem "Pitch" (Spielfeld) standen, dessen Betreten leider verboten, diese Maßnahme aber auch wirklich vonnöten war. Extra für die Grazgo Rangers angefertigtes Schild: Bitte betretets nur Ihr net unseren Rasen... Nach guten zehn Minuten der Faszination, des Schweigens und inneren Einhalt Gewährens wurden noch schnell ein paar Fotos geschossen, bevor man uns mehere Male bat doch wieder durch den Spielertunnel reinzukommen, da man uns noch andere Großartigkeiten zeigen wollte. Von diesem Eindruck benebelt trotteten wir unseren beiden Führerinnen wieder planlos hinterher bis wir uns nach einer weiteren Odyssee durch die Stadionkatakomben plötzlich im VIP Klub fanden, der zwar auf den ersten Blick einem besseren Restaurant glich, der Umstand, daß die Fenster aber nicht den Blick auf irgendeine Straße sondern auf das Spielfeld gewährte, machte ihn zu einer Imbißstube der besonderen Art. Mehr als besonders sind dort auch die Preise. Alles was man dort bestellt ist gratis! Toll nicht? Der Haken daran ist nur, daß man die Tische dort saisonweise mieten muß und das zum stolzen Preis von rund 50.000 Schottischen Pfund, die in diesem Fall blöderweise genauso viel wert sind wie die englischen- nämlich rund 22 Schilling oder 1,60 Euro, was summa summarum gute 1.1 Millionen Schilling pro Tafel ausmacht. Wer jetzt denkt, daß sich um diesen Preis unendlich viele Personen an diesem Vergnügen delektieren dürfen, irrt abermals. Dieses preisgünstge Angebot bezieht sich auf ein lauschiges Zweier-Separee. Cup- und Europacup-Spiele sollten zudem bitte noch extra berappt werden. Nachdem wir also ein weiteres Gesicht der menschlichen Dekadenz entdeckt haben, wurden wir in die stadioninterne Speisehalle der Möchtegern-VIP´s geführt, die zwar nicht so ein fettes Geldbörsel besitzen, aber es doch etwas exquisiter als der herkömmliche Stadionpöbel hätten. Dieses Restaurant befindet sich in einem der Winkel indem auch eine der beiden Videowalls montiert ist. Es ist wesentlich größer als der Nobel VIP-Club hat aber noch einen dunkelblauen Flauschiteppich mit Rangersymbolen und man kann sich vor dem Spiel, in der Pause und nach dem Spiel dort aufhalten. Wer glaubt, daß man sich auch dort von seinem Speisetisch das Spielchen gemütlich anschauen kann, sollte sich wieder täuschen! Kurz vor Spielbeginn werden nämlich die Rollos runtergefahren und man hat sich mit seinen Haggies (Schafsmagen gefüllt mit Schafsinnereien) wieder auf seinen Sitzplatz im Stadion zu begeben! Damit war die Stadionführung beendet, draußen auf dem Jörg Albertz-Panel, was nichts anderes als eine Stadionmauer ist, auf der man sich Ziegel mit einer persönlichen Gravur kaufen konnte, zeigte man noch unseren (Ziegel), der zu unserem leichten Ensetzen aber falsch geschrieben war. Schwamm drüber, es war wirklich großartig da mal drinnen gewesen zu sein und nun war Zeit für die Erstürmung des wirklich gigantischen Ranger-Megastores, nachdem sich unsere lieben Führerinnen nach Übergabe der Geschenke wieder ihrem Tagesgeschäft widmen mußten. Der Megastore mag zwar in Bezug auf Größe mit dem von Manchester United (angeblich 8 Kassen und mehrere 100m² Verkaufsfläche) nicht mithalten, aber verglichen mit den Schal- und Kappenbuden des GAK und Sturm hierzulande kann man ruhig auch hier von Gigantomanie sprechen. Von der Babytrinkflasche, über Babybekleidung über das herkömmliche Fanzeug wie Shirts, Trainingsanzüge, Leiberl, Pullover, Kapperl kann man hier alles bekommen was das Herz begehrt-bis hin zur kompletten Wohnungseinrichtung, Fußboden, Tapeten, Bettzeug oder eine Couch-hier gibts nichts was nicht mit einem Ranger-Logo und/oder den zumindest den Klubfarben versehen ist. Im Fanshop giibt´s alles für 0-100 Jährige Wie befürchtet wurden wir hier bereits einige Hunderter los, leider auch diese in Pfund und nicht wenigstens Euro und für Schillingbeträge dieser Art hätte man sich mit zwei Feuerzeugen und zwei Kugelschreiber ohnehin wieder ins Freie begeben müssen. Da spendete der Hinweis auf den Verkaufsetiketten Trost, daß ein Teil des Erlöses aus Fanartikel in neue Spieler investiert wird! Spätestens jetzt sollte jeder wissen warum wir einen Fußballverein und keinen Kegelklub gegründet haben.... Danch traten wir nervlich ziemlich angeschlagen aber glücklich ob der erworbenen Eindrücke und viel mehr ob der erstandenen Fanartikel den Heimweg an, um uns kurz zu erfrischen und zu stärken, da wir am frühen Abend wieder beim Stadion sein sollten, da uns dort unsere nette Julie erwartete und uns auf die Wohnungseinweihungsfete ihres Arbeitskollegen Billy mitnehmen sollte. Nach einer kurzen Taxifahrt gelangten wir dort an und wurden schon von mehreren Mitarbeitern des Ranger Ticket Centers empfangen. Nach anfänglichen Verständigungsschwierigkeiten hatten wir uns dort aber rasch integriert, denn die Themen Fußball und der gemeinsame Konsum von alkoholhaltigen Getränken schweißten uns schnell zusammen. Es wurde wie gesagt viel gesoffen, viel gelacht, viel gesungen und die restlichen Hausbewohner dürften uns vier ziemlich verdammt haben, als wir gegen zwei Uhr morgens mit Schlachtgesängen durchs Stiegenhaus verabschiedet wurden. Am Samstag stand der erste Reisetag an, der uns ins rund eine Zugstunde entfernte Edinburgh führen sollte. Dort gegen Mittag angekommen wurde verzweifelt versucht ein wenig Kultur der Haupstadt Schottlands zu inhalieren, was aber aus Zeitgründen scheiterte, da ein Besuch des Tynecastle Stadions, die Heimstätte des FC Hearts of Midlothian, auf dem Plan stand.
Das Castle zu Edinburgh und ein bisserl Touristenkitsch... Auf der Suche nach etwas Eßbarem landeten wir schließlich in einem Pub nahe dem Stadion, welches schon ordentlich von Fans gefüllt war. Zu mehreren Pints of Tennents´ Ale orderten wir als Hauptmahlzeit jeder ein Säckchen Erdnüsse, das vom Nährwert einem in Salz und Öl getränkten Abwaschfetzen geglichen haben dürfte. Aber undankbar soll man halt nicht sein, deshalb wurde der nüchterne Magen ordentlich mit Bier gefüllt, sodaß wir dann schließlich mehr als angeheitert kurz vor halb vier ins Stadion pilgerten. Die Schaffensstätte unseres Thomas Flögel - Das Tynecastle Stadion zu Edinburgh Die erste Halbzeit erlebten wir leicht paralysiert und merkten kaum, daß unser Landsmann Thomas Flögel, der seit mehreren Jahren für die Hearts spielte, zur Pause ausgetauscht wurde. Das Scottish Pie, daß uns Thomi von der stadioninternen Würstelbude ergatterte, war zwar kaum genießbar und etwas kompliziert zu essen (Es handelt sich hierbei um eine mit Schafsinnereistücken gefüllte Blätterteigtasche) aber in anbetracht nahender Verhungerungserscheinungen ein wahrer Segen. Cheesburger waren leider aus. Nach dem Spiel, die Hearts spielten übrigens gegen den FC Dundee und verloren nach mäßiger Leistung 1-2, beeilten wir uns in unser Pub zurück, um unserer Erfrierungserscheinungen wieder loszuwerden. Danach trennten sich die Old-Boys von Andi und mir, da sie ein Treffen mit einer Jugendfreundin vereinbart hatten. Andi und meine Wenigkeit wurden von einem Hearts-Anhänger in ein Lokal in der Innenstadt eingeladen, um Thomas Flögel zu treffen, da dieser ein guter Freund von ihm war und er sich sicher freuen würde wieder einmal Besuch aus seiner Heimat zu empfangen. Wir sind dort also hin und haben uns recht amüsant eine gute Stunde lang mit dem Nationalspieler unterhalten. Einem Engagement beim Grazgo! Rangers F.C. wollten wir (oder war´s doch er ?) aber nicht einwilligen. Und wieder ein verzweifelter Versuch eines Nationalspielers bei uns unterzukommen... Danach haben sich Young- und Old-Boys wieder fusioniert und haben nach dem einen oder anderen Bier mit der gemeinsamen Jugendfreundin gegen 23°° Uhr wieder danach per Treno den Heimweg nach Glasgow angetreten. Eigentlich wollten wir ja auch schnurstracks in unsere Pension, stand ja tags darauf schon sehr zeitig (12.00 Uhr Ortszeit) mit dem "Old-Firm-Game" der Höhepunkt unserer Reise auf dem Programm. Wieder sollte aber alles anders kommen als geplant. Nach wenigen Tagen ohne Frau gewöhnt man sich an so ziemlich alles... Vom Rausch wiedererwacht interessierte uns das rege mitternächtliche Treiben auf den Straßen der Innenstadt, sodaß wir uns dazu entschlossen noch einen der berühmt-berüchtigten Clubs aufzusuchen-Pubs hatten ja schon zu um diese Zeit, so mußten wir unseren Abschlußdrink in einem Discotempel dessen Namen ich nicht mehr weiß und ich auch nicht wissen will, einnehmen. Acht gesalzene Pfund Eintritt (ATS 176,- z.Vgl) pro Kopf und Nase und dann nochmal 30 Minuten an der Garderobe anstellen, um unsere Winterkleidung loszuwerden, was uns pro Haken nochmal das eine oder andere Pfund kosten sollte. Zumindest weiß ich jetzt warum in dieser Stadt die jungen Leute auch bei Minusgraden kaum Pullover und schon gar keine Jacken tragen; es hilft einfach Zeit und Geld zu sparen-Auf die Gesundheit wird dort ohnedies gesch....., denn was dort als Amüsement bezeichnet wird, ist nichts anderes als ein schlichtes Umhacken in Form von Konsumation von Cocktailartigen getränken, die man praktischerweise gleich in Krügen (Jugs) verabreicht bekommt. Es muß auch alles sehr schnell gehen in dieser Stadt (auch das Trinken), denn die meisten Clubs schließen um drei Uhr morgens, und wer bis dahin keinen sitzen hat, für den scheint der Zug wirklich abgefahren. Nachdem man es nach einer Stunde des Wartens wieder geschafft hat seine Klamotten wiederzuerlangen, findet sich bald vor dem Eingang inmitten einer alkoholschwangeren Traube junger Leute, die auf ihr Taxi oder ihren Rettungswagen wartet..... Gegen vier Uhr morgens haben es auch wir nach Hause geschafft und waren etwas verblüfft ob der Erlebnisse in der "most vibrant nightlife-scene" auf der ganzen Insel. Erneut Schwamm drüber, ab ins Bett, denn Sonntag war der Tag der Tage! 8°° Uhr - MATCHDAY! Leicht gezeichnet, trotzdem voller Vorfreude Ziemlich verkatert haben wir uns dann am besagten Sonntag morgen zuerst beim Frühstück zum obligaten Scottish Breakfast und danach im Zimmer Nr. 30, der Luxus-Lounge der Old-Boys eingefunden. Eigentlich wollten wir den Tag ja nach guter alter Tradition im Pub beginnen lassen, jedoch dürfen Pubs am Sonntag vor 12°° Uhr mittags nicht ihre Pforten öffnen. Das ist auch der Grund warum die Derbies zwischen den Rangers und Celtic gewöhnlich immer Sonntags um punkt 12°° mittags angepfiffen werden. Diese Maßnahme garantiert nüchterne Anhänger und folglich wenig Tumulte in der ohnehin spannungsgeladenen Atmosphäre. Findige Anhänger des runden Leders und gefüllten Pints wissen aber auch mit sochen Situationen umzugehen und sorgen eben wie verantwortungsvolle Trinker eben vor und besorgen sich ihre Gerstensäfte bereits am Vortag und wärmen sich statt im Public House eben zur Abwechslung mal zu Hause auf! So auch wir, und nach 9 Dosen Guinness machten wir uns per Taxi auf den Weg ins Stadion. Dort angelangt fielen wir gleich einmal ordentlich über die Souvenierverkäufer her, und besorgten uns reichlich Schals und Fahnen in allen erdenklichen Farben und Größen. Nach einem kurzen Videodreh vor dem Stadion begaben wir uns durch die mordsengen Drehtüren endlich ins Innere der Arena. Warum diese Drehkreuze so schmal, ja fast unüberwindbar waren, wurde spätestens dann klar, als man sich in die ca 40cm breiten Sitze zwängen mußte. Da passierte also so etwas wie eine natürliche Auslese in der Dickärschige auf der Strecke bleiben mußten. Fazit: Müßten österreichische Fans in Stadien schottischer Bauart pilgern, würden sich die Zuseherzahlen nochmals erheblich verringern! Kurz vor dem großen Moment Drinnen füllten sich die Ränge von Minute zu Minute, sodaß wenige Momente vor dem Anpfiff wirklich kein Platz mehr frei war, außer die wenigen vertikalen Sitzreihen, die als Pufferzonen zwischen Heim- und Gastsektoren dienten und von einigen gelbbejackten und unbewaffneten (!) Exekutiveinheiten belagert wurden. Endlich drinnen! Die Stimmung zu Spielbeginn war gut, auf Seiten der Celtic-Anhänger sogar sehr ausgelassen. Kein Wunder-führten die Grün Weißen die Tabelle mit 13 Punkten Vorsprung auf die Rangers an und hatten im Rennen um die Meisterschale nur mehr Befürchtungen theoretischer Natur. Home Sweet Home - Unser Ibrox Park Dementsprechend legten die Herren rund um Spielmacher Henrik Larsson los, machten zu Beginn ordentlich Druck und suchten merklich nach einer frühen Entscheidung. Nach einem eigentlich regulären Treffer des schwedischen Ausnahmekickers, der aber wegen Abseits aberkannt wurde, ging der FC Celtic nach etwa einer halben Stunde Spielzeit aus einer ähnlichen Position heraus durch Petrov dennoch mit 1-0 in Front. Großem Jubel auf den Gästesektoren stand Schweigen auf den drei Heimtribünen gegenüber. Bis zur Halbzeit passierte nicht mehr viel und als Ex-Ranger Brian Laudrup in der Pause begrüßt wurde, brandete unter den Heimfans derartiger Jubel auf, sodaß man vor dem Stadion hätte meinen können, daß die Rangers wohl ein Tor erzielt haben dürften. Äußerst begehrt und mit einem Schwarzmarktwert von über € 300,- In Halbzeit zwei legte die Heimmannschaft einen Gang zu, Celtic reagierte darauf und verstärkte die Abwehr, was bis eine halbe Stunde vor dem Ende auch ausgezeichnet funktionierte. Eine Fernbombe vom Holländer Numan schlug nach etwa 60 Spielminuten zur Überraschung aller im Gehaüse der Grün-Weißen ein und fixierte den 1-1 Ausgleich, der zugleich auch den Endstand bedeuten sollte. Danach gabs noch vereinzelt gute Möglichkeiten auf beiden Seiten, welche aber von den Torleuten zu verhindern gewußt wurden. Nach dem Spielende haben wir dann wieder unsere Freunde aus dem Ticket-Center getroffen, die mit uns zuerst ins wirklich legendäre "Horse-Shue" Pub in der Innenstadt gepilgert sind und uns danach zum Apres-Derby-Besäufnis ins "District"-Pub nahe dem Ibrox-Stadion mitgeschleppt (einige haben sich wohl schon eher nach den heimischen Federn als nach noch mehr Bier gesehent). Glückseligkeit pur.... Dort angekommen hatten wir als Unbekannte zwar noch Probleme mit dem Einlaß, da es sich bei der Kneipe um eine Feierstätte für Vereinsangehörige und Alteingefleischte handelte, mit unseren "Connections" waren aber auch diese schnell gelöst und drinnen waren wir! In der Lounge (Viele Pubs haben noch so eine Art Extra-Saal, der sich so nennt) trafen wir dann wieder auf einige Bekannte von der Freitagsparty und nach dem ersten oder zweiten Bier war der leichte Durchhänger vom Nachmittag wieder überwunden und mit den Leuten wiederum heftig gepaludert, gesungen, Leiberl getauscht und- gesoffen! Gruppenbild mit Dame Auch hier war dann um punkt 12°° Uhr Schluß und wirklich schwer angeschlagen fuhren wir dann heim. Drunken men on the street... Montag und Dienstag waren eigentlich dazu geplant etwas von den Naturschönheiten des Landes kennenzulernen, jedoch machte uns die körperliche und geistige Müdigkeit, die wir uns in den Tagen zuvor schwer erarbeitet haben einen dicken Strich durch die Rechnung. So verbrachten wir den Montag wie paralysiert in unserem Lieblingspub, dem Lauder´s, in der Sauchiehallstreet. Lieblingslokal nicht nur ob der feudalen Ledermöbleausstattung mit immenser Sonneneinstrahlung sondern auch wegen der unmittelbaren Nähe zum Ranger-Superstore, bei dem man ganz spontan noch wichtige Erledigungen wie den Kauf von Autofußmatten im Ranger-Design durchführen konnte. Nach dem kulinarischen Overkill (Scottish Breakfast-Sandwich-Hamburger-Fritten-Kartoffel mit Fritten und Essig-Steak Pie mit Fritten, Essig, Erbsen und Brown Sauce und last but not least die legendären Erdnüsse aber ohne Essigfritten) der letzten Tage beschlossen wir einmal was wirklich Genießbares zu uns zu nehmen und fanden auch ein wirklich nettes italienisches Lokal mit ausgezeichneter Küche. Preislich war es auch in Ordnung, wären uns da nicht drei Runden "Amaro" (Gesöff, welches ein Mittelding aus Fernet und Jägermeiste ist) in die Quere gekommen, welche uns dann etwa nocheinmal soviel wie das Essen kosten sollten. Mahlzeit! Nix für schwache Mägen - Scottish Steak Pie Am Dienstag wollten wir uns dann aber wirklich ein Auto zwecks Ausflug in die Highlands ausborgen. Der Plan scheiterte abermals an der Schläfrigkeit unserer Old-Boys, die ihre Allerwertesten wieder mal nicht vor elf aus den Federn brachten. So fuhren wir dann aber immerhin zum "Peoples´ Palace", einem zeitgenössischen Museum über die Bevölkerung Glasgows im Wandel der Zeit. Bemerkenswert und deprimierend zugleich dabei war, daß es der Durchschnittsbevölkerung immer mehr schlecht als recht erging, auch in der Zeit der aufkeimenden Industrialisierung. Der Mensch war eine Arbeitsmaschine und suchte seit Menschengedenken stets Zuflucht im Alkohol. Diese steigerte sich, als es sich mit der Stahlindustrie aufhörte, die Leute ihre Arbeit verloren und in die Armut abdrifteten. Alkohol ist DAS Problem der Stadt... Das Stadtbild von Glasgow ist auch sehr von diesen Aspekten geprägt. Das Zentrum befindet sich durch den Zuzug von Großkonzernen und Firmen im Umbruch und macht eigentlich schon den Eindruck einer internationalen Metropole. Dem Lifestyle der Besserverdiener entsprechend gibt es dort auch Unmengen von schicken Bars, Restaurants, Boutiquen und Shops. Wenige Gehminuten davon befindet man sich dagegen in trostlosen Viertel, wo man in Pubs damit wirbt, daß man garantiert "hygienisches" Essen serviert. Richtige Juwelen in Sachen Baukunst haben wir in der Stadt des Kultarchitekten Rennie McIntosh nicht gefunden, da vor, während und nach der Zeit der Industrialisierung viele historische Gemäuer einfach abgerissen wurden. Einzig das Rathaus, das irgendwie dem in Graz ähnelt und die Universitätsgebäude sind noch übriggebliebene Relikte, die darauf schließen, daß es diese Stadt doch schon mehr als hundert Jahre gibt. Das Rathaus Der "Glaswegian" (Bürger in Glasgow) hat schon etwas, was wir vielleicht als typisch britisch werten. Die rauhen Gepflogenheiten, das schwere Leben in noch schwierigeren Zeiten und das ständig kalte und windige Wetter scheint die Menschen dort wirklich geformt und entsprechend abgehärtet zu haben. So ist es wirklich bezeichnend, daß die Leute bei wenigen Plusgraden und starkem Wind in T-Shirts oder bauchfreien Tops umherlaufen oder im Gespräch mit einem Fremden einen Anfangs verschlossenen Eindruck machen, der sich dann aber bald in warme Herzlichkeit wandelt, wenn einmal das Eis gebrochen ist. Nach all diesen Erfahrungen und Eindrücken hat uns unsere liebe Julie am Mittwoch morgen zum Flughafen gebracht und sind gegen Mitternacht wieder wohlbehalten in Graz angekommen. Mitgebracht haben wir neben Tonnen von Fanartikel, drei Stunden Videomaterial, unzähligen Photos und eben endlosen, unvergesslichen Eindrücken das Wissen neue Freunde in einer der wohl großartigsten Fußballmetropolen der Welt gewonnen zu haben, die wir hoffentlich sehr bald wiedersehen werden! Abschließend möchte ich noch einigen Leuten meinen Dank aussprechen: Herrn Rainer Mirth -Für das zur Verfügungstellen seiner großartigen Videokamera! Herrn Thomi Machazek - Der sich unermüdlich um das Zustandekommen dieser Reise bemühte und mit uns 2 x 900 km bis zur Erschöpfung mit seinem "Vauxhall-Astra" durch die Pampa bretterte Der Fluglinie Ryanair, die uns alle vier für sagenhafte 104,- EURO von Frankfurt nach Glasgow und zurück beförderte! Frau Julie Donald & ihren Kollegen aus
dem Ticket Center, die es uns ermöglichten bei einem Spiel dabeisein
zu dürfen, bei dem es schon seit Jahren keine Karten im Freien
Verkauf mehr gibt und uns einen Einblick hinter die Kulissen eines
Weltvereines, der der Glasgow Rangers Football Club sicher ist, gewährten.
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Credits>>
©2003 GrazGo! Rangers FC last update 24/04/2003 |